Category: my amsterdam diary

  • 19.04.2026 – über Limiten und Ortschaften

    ***English below***

    Liebes Tagebuch

    Am Freitag hatte ich ein wundervolles Hot-Pot-Abendessen mit wundervollen Menschen. Da nicht nur der Pot heiss lief, sondern auch der Wein und der Schnaps (ich bin mir ziemlich sicher, dass es Schnaps war), fand es mein Kopf am Samstag gar nicht mal so wundervoll. Vielleicht liegt meine Alkohollimite aufgrund des tiefen Meeresspiegels hier einfach auch tiefer.

    An diesem Abend habe ich übrigens erneut die Bestätigung erhalten, dass ich nicht die Einzige bin, die findet, dass niederländischer Käse einfach immer nach Gouda schmeckt. In anderen Variationen, aber am Ende doch immer Gouda.
    Wenn ich also das nächste Mal in der Schweiz bin, decke ich mich ein. Mit richtig gutem Käse.

    Ansonsten gibt es aber wenig, was ich aus der Schweiz vermisse. Ausser natürlich meine Lieblingsmenschen. Kulinarisch kann ich mich hier wirklich nicht beklagen. Im Gegenteil – ich habe das Gefühl, die Supermärkte bieten mehr als Migros und Coop zu Hause.

    Heute Morgen war ich dann wieder vollständig regeneriert und ging ins Gym. Ich bin jedes Mal erstaunt, wie voll es dort immer ist. Gefühlt zu jeder Tageszeit. Selbst an einem Sonntagmorgen um 09.30 Uhr muss man sich den Platz an einem Rack fast schon erkämpfen. Anscheinend kennen die Leute hier ihre Alkohollimite besser als ich. Oder es gibt hier ein geheimes Katermittelchen. Das muss ich noch rausfinden.

    Übrigens ist mir aufgefallen, dass gefühlt 99% der Niederländerinnen nur im Sport-BH(chen) trainieren. Ich fühle mich daneben immer ein bisschen winterlich overdressed. Ich frage mich ernsthaft, was die im Hochsommer machen…

    Auf jeden Fall wollte ich mal faktenbasiert festhalten, wo ich mich hier in meinem kleinen Amsterdam-Leben so bewege:

    Alles befindet sich innerhalb von 10–15 Minuten.
    Liebe ich.

    Das macht mein Leben spontan. Keine grossen Planereien.
    Ich habe sowieso alles um die Ecke.

    Und jetzt mache ich mir etwas zu essen und werfe mich mit einem Buch auf die Couch.
    Ciao Sonntag.
    Ciao Wochenende.

    Das nächste kommt bald.
    Und wird wieder feuchtfröhlich.

    Fortsetzung folgt…

    **********************

    About limits and locations

    Dear Diary

    On Friday I had a wonderful hotpot dinner with wonderful people. As it wasn’t just the pot that was hot, but also the wine and the schnapps (I’m pretty sure it was schnapps), my head didn’t find it quite so wonderful on Saturday. Perhaps my alcohol tolerance is simply lower here due to the low sea level.

    By the way, that evening I received further confirmation that I’m not the only one who thinks Dutch cheese always tastes of Gouda. In different variations, but always Gouda. So next time I’m in Switzerland, I’ll stock up. On really good cheese.

    Otherwise, there’s not much I miss about Switzerland. Except, of course, my favourite people. When it comes to food, I really can’t complain here. I feel the supermarkets offer even more than the Migros and Coops back home.

    This morning I was fully recharged again and went to the gym. I’m always surprized at how busy it is there. It feels like that at all times of the day. Even on a Sunday morning at 9.30 am, you almost have to fight for a spot at a weight rack. Apparently, people here know their alcohol limits better than I do. Or perhaps there’s a secret hangover cure here. I’ll have to find that out. 

    By the way, I’ve noticed that it feels like 99% of Dutch women only work out in a (really small) sports bra. I always feel a bit overdressed next to them. I seriously wonder what they do in the height of summer…

    In any case, I wanted to set down some facts about where I tend to go in my little Amsterdam life:

    Everything’s within 10–15 minutes.
    I love it.

    It makes my life spontaneous. No need for lots of planning.
    Everything’s just around the corner anyway.

    And now I’m going to make myself something to eat and flop onto the sofa with a book.
    Bye-bye, Sunday.
    Bye-bye, weekend.

    The next one’s coming soon.
    And it’ll be another boozy one.

    To be continued…

  • 16.04.2026 – etwas Schweres

    ***English below***

    Liebes Tagebuch

    Heute liegt etwas Schweres in mir. 

    Ich merke, wie oft meine Gedanken noch zurückgehen.  

    Ich denke zurück
    an die Nähe, 
    an die Wärme,
    an ein Herz, das sich sicher angefühlt hat. 

    Und jetzt ist da diese Lücke.
    Immer noch laut. 
    Und spürbar. 

    Ich weiss, dass Loslassen richtig ist. 
    Aber das macht es nicht leichter. 

    Die Gedanken kommen trotzdem.
    Und die Gefühle auch. 

    Und irgendwo dazwischen muss Heilung passieren.
    Und Klarheit entstehen.
    Langsam. 

    Heute liegt etwas Schweres in mir.

    *********************

    something heavy

    Dear Diary

    Today, there’s a heavy weight inside me. 

    I realise how often my thoughts still drift back. 

    I think back 
    to the closeness, 
    to the warmth, 
    to a heart that felt safe. 

    And now there’s this emptiness. 
    Still loud. 
    And present. 

    I know, that letting go is the right thing to do. 
    But that doesn’t make it any easier. 

    The thoughts come anyway. 
    And the feelings too. 

    And somewhere in between, healing must take place. 
    And clarity must emerge.
    Slowly. 

    Today, there’s a heaviness inside me.

  • 10.04.2026 – über Comfortzonen

    ***English below***

    Liebes Tagebuch

    Ich sitze in meiner Lieblingsbar um die Ecke. Bar Bukowski. Jede:r sollte bei Gelegenheit mal hierherkommen. Sie ist nicht ultra besonders, aber irgendwie ist der Vibe hier echt nice.

    Die Bar befindet sich direkt an einer Kreuzung. Total ungemütlich, wenn man’s genau nimmt. Und trotzdem stört das überhaupt nicht. Ich bin mir sicher, dass alle, die vorbeifahren, denken: „Au ja, das wär’s jetzt!“ So geht’s mir auf jeden Fall jedes Mal. Also… täglich. Weil ich da immer vorbeifahre.

    Ich habe den besten Platz erwischt. Ganz aussen, dort, wo die Abendsonne nochmal hinscheint und alles ein bisschen schöner und wärmer werden lässt. Yay.

    Ich sitze hier mit meinem Tagebuch, meinem Buch, meinem MacBook (einfach 3x “Buch”), meiner Musik und meinem alkoholfreien Bier (schliesslich will ich die Gains vom heutigen Training nicht zerstören. Hätte ich einen Personal Coach, wäre dieser stolz auf mich). Langsam steige ich ins Wochenend-Feeling ein.

    Neben mir sind die Tische voll mit Gruppen, Freunden, Dates, Menschen, die sich unterhalten und lachen. Es kommt jedes Mal ein bisschen Neid auf das Geplapper und Gelächter auf. Da verschwinde ich ein bisschen in einer Nebenrolle. Mit der passenden Musik auf den Ohren bin ich in meiner eigenen Welt und habe das Gefühl, ein bisschen unsichtbar zu sein.

    Ich beschäftige mich mit Schreiben. Ein bisschen mit Insta. Ein bisschen mit offenen Nachrichten. Und den Rest beobachte ich einfach.

    Es ist ein gutes Gefühl, hier zu sein. Am Leben teilzunehmen. Gleichzeitig kostet es mich jedes Mal etwas Überwindung, loszulaufen und mich alleine hin zu setzen. Dort, wo das soziale Treiben stattfindet. Wo man alleine immer ein bisschen Aussenseiter:in ist.

    Die Alternative wären meine vier Wände zu Hause. Ohne Sonne. Ohne Bierchen an der frischen Luft. Ohne das Treiben, das ich beobachten kann.

    Das hier fühlt sich nach mehr Leben an.

    Und nach einer Weile gehe ich zufrieden und mit einer inneren Ruhe nach Hause.

    Ich komme wieder.

    Bar Bukowski. Das Ende meiner Comfortzone.

    ****************

    About comfort zones

    Dear Diary

    I’m sitting in my favorite bar just round the corner. Bar Bukowski. Everyone should pop in here if they get the chance. There’s nothing really special about it, but somehow the vibe here is totally nice.

    The bar is right on a crossroads. Totally uncomfortable, if you think about it. And yet it doesn’t bother me at all. I’m sure everyone who drives past thinks: “Oh yes, this. Right now!” Well, that’s how I feel every single time. So… every day. Because I always drive past there.

    I’ve got the best spot. Right at the edge, where the evening sun reaches the tables and makes everything a bit nicer and warmer. Yay.

    I’m sitting here with my diary, my book, my MacBook, my music and my non-alcoholic beer (after all, I don’t want to ruin the gains from today’s workout. My personal coach would be proud. If I’d had one) and I’m slowly getting into the weekend mood.

    Next to me, the tables are full of groups, friends, couples on dates – people chatting and laughing. I can’t help but feel a touch of envy at all the chatter and laughter. It makes me fade into the background a bit. With the right music in my ears, I’m in my own world and feel a bit invisible. 

    I keep myself busy writing. A bit on Insta. A bit on open messages. And the rest I just observe.

    It feels good to be here. To be part of life. At the same time, it takes a bit of effort every time to go out and sit here on my own. Right where the social buzz is happening. Where, on your own, you’re always a bit of an outsider.

    The alternative would be the four walls of my home. Without sunshine. Without a beer in the fresh air. Without the hustle and bustle that I can watch.

    This feels like more life.

    And after a while, I go home feeling content and calm. More at one with myself.

    I’ll be back. 

    Bar Bukowski. The edge of my comfort zone.

  • 05.04.2026 – 10/10

    ***English below***

    Liebes Tagebuch

    Ich mache mir immer wieder viele Gedanken über das Leben und über die Zeit. Über meine Einstellung dazu. Darüber, was ich mir wünsche und was ich erwarte.

    Eines meiner Lebensziele war schon immer, im Alter nicht zurückzuschauen und etwas zu bereuen. Und genau danach versuche ich zu leben und meine Entscheidungen zu treffen. Deshalb fällt mir genau das auch oft schwer. Weil ich immer den perfekten Weg wählen möchte. Den perfekten Ort. Den perfekten Moment. Um später nichts zu bereuen.

    Ich habe diesen Anspruch in mir, dass sich mein Leben wie eine 10 von 10 anfühlen soll. Dass ich 100% glücklich bin. Nicht 70. Nicht 80. 100! „The time of my life“ soll nicht nur eine Phase sein, sondern ein Gefühl, das ich immer in mir trage.

    Natürlich ist das nicht jede Minute realistisch. Dafür ist das Leben zu echt, zu roh, zu unberechenbar. Es gibt schwierige, verletzende und herausfordernde Phasen, die sich nicht wegdiskutieren lassen. Aber wenn ich das ausblende, möchte ich wirklich voll und ganz zufrieden sein. Und wenn ich es nicht bin, dann möchte ich ehrlich genug zu mir sein können, das zu erkennen, und mutig genug, etwas zu verändern.

    Wenn ich an meinem Geburtstag die Kerzen ausblase und man mir sagt, dass ich mir etwas wünschen darf, wünsche ich mir immer dasselbe: Ich wünsche mir, glücklich zu sein. Denn für mich ist das, neben der Gesundheit, das Wichtigste im Leben.

    Als ich mit 18 mein erstes Tattoo gemacht habe, haben meine Eltern gesagt, ich solle mir das gut überlegen, weil ich noch nicht wirklich verstehe, was Zeit bedeutet. Und sie hatten recht. Damals hatte ich das Gefühl, ich hätte alle Zeit der Welt. Als wäre alles unendlich. Als wäre ich irgendwie unantastbar.

    Heute sehe ich das anders. Heute habe ich grossen Respekt vor der Zeit. Vor allem davor, wie schnell sie vergeht. Und wenn ich ehrlich bin: Ich mag das überhaupt gar nicht. Der Gedanke, dass ich mit nur der Hälfte meines bisherigen Lebens bereits 60 bin, löst in mir Wehmut und auch Angst aus. Angst, dass das Leben vorbeigeht und ich vielleicht irgendwann vorsichtiger werde. Ängstlicher. Vielleicht auch bequemer. Und gleichzeitig ist genau das auch eine Motivation, immer 100% zu wollen.

    Ich liebe das Leben. Und ich möchte es voll und ganz auskosten. Ich möchte nicht, dass die Zeit einfach an mir vorbeizieht. Dafür habe ich noch so viel vor. So viel, das ich fühlen, erleben und ausprobieren möchte.

    Wenn ich ältere, gebrechliche Menschen sehe, relativieren sich viele meiner Sorgen oftmals. Ich denke dann daran, wie endlich das Leben ist, und sage mir: Scheiss doch auf das Problem. Sei glücklich. Geniesse alles. Lass es dir gut gehen. Und gleichzeitig frage ich mich, ob sie auf ihr Leben zurückblicken und da dieser leise Gedanke ist, dass sie an gewissen Stellen anders hätten entscheiden können. Mehr für sich. Mehr fürs Leben.

    Der Weg ist für mich das Ziel. Wie in der Geschichte vom Fischer und dem Geschäftsmann, die zeigt, dass es sich nicht lohnt, die schönen Dinge auf später zu verschieben, sondern sie jetzt zu leben.

    Ich möchte später sagen können: Mein Leben? Das war richtig geil.

    Also:

    Sage Ja.
    Auch wenn du unsicher bist.
    Tu es trotzdem.

    Mach die Dinge, die dich glücklich machen.
    Nicht für andere, sondern für dich.

    Sei gut zu den Menschen um dich herum.
    Schenke ihnen ein gutes Gefühl.

    Lächle.
    Lache laut.

    Lass dich auf Neues ein.
    Probiere aus.

    Mach es jetzt.

    Auf das Leben.

    **********************

    Dear diary

    I find myself thinking a lot about life and time. About my attitude towards them. About what I hope for and what I expect.

    One of my life goals has always been not to look back in old age and have any regrets. And that is exactly how I try to live and make my decisions. That is precisely why I often find it difficult to make decisions in the first place. Because I always want to choose the perfect path. The perfect place. The perfect moment. So that I have no regrets later on.

    I have this expectation within me that my life should feel like a 10 out of 10. That I should be 100% happy. Not 70. Not 80. 100! “The time of my life” shouldn’t just be a phase, but a feeling that I always carry within me.

    Of course, that’s not realistic every single minute. Life is too real, too raw, too unpredictable for that. There are difficult, hurtful and challenging phases that can’t be talked away. But if I put that aside, I really want to be completely content. And if I’m not, then I want to be honest enough with myself to recognise it, and brave enough to make a change.

    When I blow out the candles on my birthday and someone tells me I can make a wish, I always wish for the same thing: I wish to be happy. Because for me, apart from good health, that is the most important thing in life.

    When I got my first tattoo at 18, my parents told me to think it through properly, because I didn’t really understand what time meant yet. And they were right. Back then, I felt as though I had all the time in the world. As if everything were infinite. As if I were somehow untouchable.

    Today I see things differently. Today I have great respect for time. Above all, for how quickly it passes. And if I’m honest: I don’t like that at all. The thought that halfway through my life I’d already be 60 fills me with both melancholy and also with fear. Fear that life is slipping away and that I might eventually become more cautious. More anxious. Perhaps even more complacent. And at the same time, that is precisely what motivates me to feel 100% happy.

    I love life. And I want to savour it to the full. I don’t want time to simply pass me by. I still have so much I want to do. So much I want to feel, experience and try out.

    When I see older, frail people, many of my worries often put things into perspective. I then think about how finite life is, and tell myself: to hell with the problem. Be happy. Enjoy everything. Have a good time. And at the same time, I wonder whether they look back on their lives and have that quiet thought that they could have made different decisions at certain points. More for themselves. More for life.

    For me, the journey is the destination. Just like in the story of the fisherman and the businessman, which shows that it’s not worth putting off the good things until later, but rather living them now.

    I want to be able to say later: My life? That was fucking brilliant.

    So:

    Say yes.
    Even if you’re unsure.
    Do it anyway.

    Do the things that make you happy.
    Not for others, but for yourself.

    Be kind to the people around you.
    Make them feel good.

    Smile.
    Laugh out loud.

    Be open to new things.
    Give things a go.

    Do it now.

    Here’s to life.

  • 03.04.2026 – über’s Zurückkommen, Weiterarbeiten und Älterwerden

    ***English below***

    Liebes Tagebuch

    Ich bin zu Hause.

    Zumindest für ein paar Tage. Über Ostern. Und von nun an muss ich wohl definieren, was „zu Hause“ bedeutet.

    Ich bin gestern nach Basel geflogen und freue mich riesig, meine Freunde und Familie in die Arme nehmen zu können und zu hören, was ich (nicht) verpasst habe.

    Bereits gestern durfte ich einen meiner liebsten Freundeskreise wiedersehen und eine wundervolle Zeit geniessen, geprägt von Lachen, tiefen Gesprächen und diesem vertrauten Gefühl, das man nicht erklären kann, aber sofort wieder erkennt.

    Im Übrigen darf ich erzählen, dass ich die Probezeit bestanden habe und mein Arbeitgeber mich jetzt für mindestens ein Jahr an der Backe hat. Solange ich nicht im Büro kokse oder Geld veruntreue, müssen sie mich behalten, haben sie mir gesagt. Das ist beruhigend zu wissen. Die Risiken sind natürlich total real.

    Letzten Sonntag hatte ich Geburtstag (nachträgliche Gratulationen werden gerne und immer entgegengenommen). Es war speziell, nicht im vertrauten Umfeld zu „trauern“ (ja, dieses Wort war Absicht). Aber dank eines Besuchs aus der Heimat, Anrufen und unzählig vielen Nachrichten habe ich mich trotzdem sehr geliebt gefühlt. Eine meiner besten Freundinnen, die mich besuchen kam, und ich haben mit 32 Cocktails in meinen Geburtstag hineingefeiert und sind ca. 6 Stunden später wieder in derselben Bar zum Frühstück aufgetaucht. Ja. Die Bar ist geil! Am Nachmittag schlenderte ich über einen wundervollen Markt mit viel Selbstgemachtem, Selbstgebasteltem, Leckereien, Köstlichkeiten, Traditionellem und vielen Kaffee-, Bier- und Weinständen zum Geniessen. Am Abend habe ich mich dann selber bei Freunden in Alkmaar eingeladen. Sonst wäre ich doch ein bizzeli sentimental geworden.

    Ich habe von jemandem den Tipp bekommen, dass ich in meiner Ankunftszeit immer zu allem „Ja“ sagen soll (dies soll sich nicht auf Koks oder Veruntreuung beziehen). Auch wenn ich vielleicht unsicher bin, Zweifel habe oder keine Lust verspüre: Wenn mich jemand zu etwas einlädt, sage ich Ja. Wenn ich eine Werbung für eine Kunstausstellung sehe: Ja. Es ist irgendwo ein Markt: Ja. Damit öffne ich mich, meinen Horizont und die Möglichkeit, Wundervolles zu erleben. Und das gefällt mir, das nehme ich mir zu Herzen.

    Ich habe nun auch ein Abo bei einem Gym gelöst, die Abfallsteuer ist bezahlt und bei den nächsten Wahlen darf ich mit abstimmen. Ich bin also eine richtige Amsterdamerin.

    Es geht also weiter. Es geht weiter mit neuen Bars, neuen Cafés, neuen Märkten, neuen Rechnungen und hoffentlich vielen neuen Erlebnissen. Es bleibt spannend. Es bleibt Amsterdam.

    About returning, work and growing older

    Dear Diary

    I’m home.

    At least for a few days. Over Easter. And from now on, I suppose I’ll have to define what ‘home’ means.

    I flew to Basel yesterday and I’m absolutely thrilled to be able to hug my friends and family and hear what I’ve (not) missed.

    Just yesterday, I got to see one of my favourite groups of friends again and enjoy a wonderful time, filled with laughter, deep conversations and that familiar feeling you can’t explain but recognise straight away.

    By the way, I’m pleased to say I’ve passed my probationary period and they’re stuck with me for at least a year now. They told me that as long as I don’t snort coke in the office or embezzle money, they have to keep me on. It’s comforting to know that. The risks are, of course, very real.

    Last Sunday was my birthday (belated birthday wishes are always welcome). It felt strange not to be ‘mourning’ (yes, that word was intentional) in familiar surroundings. But thanks to a visit from home, phone calls and countless messages, I still felt very loved. One of my best friends, who came to visit me, and I kicked off my birthday with 32 cocktails and turned up back at the same bar for breakfast about six hours later. Yes. The bar is brilliant! In the afternoon, I strolled through a wonderful market with lots of homemade and handcrafted goods, treats, delicacies, traditional items and plenty of coffee, beer and wine stalls to enjoy. In the evening, I invited myself over to some friends’ place in Alkmaar. Otherwise, I might have got a bit sentimental.

    Someone gave me the tip that, when I first arrive somewhere, I should always say ‘yes’ to everything (this doesn’t apply to cocaine or embezzlement). Even if I’m feeling unsure, have doubts or just don’t feel like it: if someone invites me to do something, I say yes. If I see something about an art exhibition: yes. There’s a market somewhere: yes. This opens me up, broadens my horizons and creates the opportunity to experience wonderful things. And I like that; I’m taking it to heart.

    I’ve now signed up for a gym membership, paid my waste collection tax, and I’ll be able to vote in the next elections. So I’m a proper Amsterdammer now.

    So life goes on. It goes on with new bars, new cafés, new markets, new bills and, hopefully, lots of new experiences. It remains exciting. It remains Amsterdam.

  • 26.03.2026 – 1 month!

    *** English below***

    Liebes Tagebuch

    Ich möchte schreiben. Wirklich. Aber die Muse sitzt irgendwo anders heute und das macht mir einen Strich durch die Rechnung. Apropos Rechnung: Von der Gemeinde Amsterdam habe ich heute eine Steuerrechnung erhalten…?! Whuuut? Willkommen im echten Leben, nehme ich an.

    Einen Monat.

    Auf den Tag genau einen Monat bin ich nun hier. Da braucht es doch irgendein wichtiges, bedeutendes und emotionales Resümee?

    • Fröhlichkeit. Nervosität. Bedenken. Hoffnung. Einsamkeit. Melancholie. Glück. Erinnerung. Verletzlichkeit. Heilung. Vorfreude. Freiheit. Alles war und ist dabei. Manchmal gleichzeitig, manchmal im Wechsel.
    • Ich bereue nichts. Kein bisschen.
    • Ich bin zufrieden. Und irgendwo tief in mir ist da immer noch diese Ruhe, dass alles genau so richtig ist.
    • Es berührt mich, wie viele Menschen meinen Blog und meine Gedanken lesen, meine Worte verfolgen und ein Stück mit mir mitgehen. Diese stille Nähe bedeutet mir alles.
    • Jedes Wochenende kaufe ich mir Blumen. Schliesslich bin ich im Land der Tulpen.
    • Und irgendwie bin ich auch im Land vom Käse. Aber sorry, liebe Niederländer:innen: Ich habe getestet. Mehrfach. Schweizer Käse gewinnt.
    • Meine Wohnung ist fertig eingerichtet. Also zumindest so fertig, wie man sich einredet, dass sie fertig ist. Bis man wieder etwas bei IKEA bestellt.
    • In vier Wochen habe ich wettertechnisch alles erlebt. Mit dem T-Shirt in der Sonne, Wind, der mich fast vom Fahrrad haut, Regen, Hagel, Schnee… Als würde die Stadt mir ihr ganzes Repertoire zeigen wollen. Danke. Für mich reicht sonst auch Sonne.
    • Diese Momente, wenn ich aus dem Büro trete und mich mitten in den Amsterdamer Gassen befinde… Huere geil!
    • Und ja, ich gebe es zu – ein Teil von mir wächst neben den Touristen jedes Mal ein kleines bisschen. Ja Mann. Ich wohne hier!
    • Was noch fehlt, ist ein Sozialleben. Menschen, die bleiben. Gespräche, die tiefer gehen. Aber ich weiss, das braucht Zeit.

    Mein Resümee: Ich bin angekommen. Aber noch nicht fertig.

    PS: Happy Birthday, Papi!

    *****************

    Dear Diary

    I want to write. I really do. But my muse is off somewhere else today, and I just can’t seem to find her. Instead, mail found me. I’ve just received a tax bill from the City of Amsterdam…?! Whuuut? Welcome to real life, I suppose.

    One month.

    To the day, I’ve been here for exactly one month. Surely that calls for some sort of important, meaningful and emotional summary?

    • Joy. Nervousness. Doubts. Hope. Loneliness. Melancholy. Happiness. Memories. Vulnerability. Healing. Anticipation. Freedom. Everything was and is there. Sometimes all at once, sometimes in turn.
    • I regret nothing. Not one bit.
    • I’m content. And somewhere deep inside me, there’s still that sense of calm that everything is exactly as it should be.
    • It touches me how many people read my blog and my thoughts, follow my words and walk a little way with me. This quiet closeness means everything to me.
    • Every weekend I buy flowers. After all, I’m in the land of tulips, right?
    • And somehow I‘m in the land of cheese, too. But sorry, dear Dutch people: I’ve tried it. Several times. Swiss cheese wins.
    • My flat is fully furnished. Well, at least as ‘fully furnished’ as you can convince yourself it is, until you order something from IKEA again.
    • In four weeks, I’ve experienced every kind of weather. Wearing a T-shirt in the sun, wind that almost blows me off my bike, rain, hail, snow… As if the city wanted to show me its entire repertoire. Thanks. Sunshine would be enough for me. 
    • Those moments when I step out of the office and find myself right in the middle of Amsterdam’s streets. Fucking awesome!
    • And yes, I’ll admit it – a part of me grows a little bit more every time, right alongside the tourists. Yeah, man. I live here!
    • What’s still missing is a social life. People who stick around. Conversations that go deeper. But I know that takes time.

    My conclusion: I’ve settled in. But I’m not done yet.

    PS: Happy birthday, Dad!

  • 22.03.2026 – the city

    ***English below***

    Liebes Tagebuch

    Ich wohne in Amsterdam.

    Ich kann es immer noch nicht so wirklich glauben. Langsam schleicht sich ein Rhythmus ein und trotzdem fühle ich mich noch immer so, als wäre ich hier in den Ferien. Wer weiss, vielleicht habe ich Glück und dieses Gefühl geht nie ganz weg.

    Da für mich noch alles neu und unbekannt ist, bin ich sehr aufmerksam, schaue mir alles genauer an und beobachte bewusst. Die Menschen. Den Vibe. Die Stadt.

    Die Stadt mit tausend schiefen Häusern, Backsteinwänden, Grachten, Brücken und Gassen. Jede Ecke hält eine neue Überraschung bereit.

    Der Boden ist total uneben. Den Blick sollte man beim Laufen nicht aufs Handy richten, ich verspreche dir, man stolpert spätestens nach 60 Sekunden. Dank der Brücken geht der Weg immer wieder hoch und runter, nach rechts und links, nach vorne und zurück. In dieser Stadt könnte ich Schritte sammeln wie in keiner anderen.

    Kleine Gehwege, Trottoirs und Pfade verleihen dem ganzen Bild eine Verspieltheit, fast wie ein Labyrinth, in dem man sich gerne verliert. Regenbogenfarbige Fahnen, leuchtende Schriftzüge und bunte Schilder schenken der Stadt Lebendigkeit und Fröhlichkeit. Die Fassaden der Gebäude sind ein Traum, und die hohen Fenster geben Einblicke in wahnsinnig schöne Altbauwohnungen mit den steilsten Treppen, die ich je gesehen habe. Süsse Shops und Boutiquen mit Leckereien, Souvenirs und Selbstgemachtem zieren die Strassen, und die bekanntesten Shoppingmarken sind überall vertreten (yay!). Cafés und Restaurants mit Lichterketten laden zum Hinsetzen ein.

    Amsterdam ist total hübsch, charmant und einladend. Amsterdam ist aber an vielen Ecken auch ein verdammtes Shithole. Wenn es nicht Tiere sind, die den Abfall durchwühlen, dann sind es verzweifelte Menschen, die Mistkübel nach etwas Verwertbarem oder Essbarem durchsuchen. Sinnloses wird einfach auf der Strasse liegen gelassen. Abfall wird aber auch ganz bewusst auf den Boden geworfen – habe ich letztens beobachtet und schweizerisch korrekt mit dem Kopf geschüttelt. Die Idee der Entsorgung ausserhalb des Stadtzentrums mit unterirdischen Containern finde ich grossartig (aufgrund der schmalen Gassen in der Innenstadt ist dieses System für Abfalltransporter nicht möglich). Leider wird sich aber oft nicht an die Regeln gehalten und die Menschen legen, stellen und werfen alles daneben. Wahrscheinlich geht es vielen ähnlich wie mir und sie müssen gefühlt 3’376 Tonnen Karton und Sperrgut entsorgen, das nicht in die Öffnungen passt. Und weil es alle einfach neben die Container stellen, macht der träge Mensch es ihnen nach.

    Ich habe erfahren, dass die Stadt Amsterdam kein Geld für Tourismus-Marketing ausgibt. Braucht sie auch nicht. Die Touristen kommen ja. Leider meist nur aus dem Grund, um sich einen Dübel reinzuzimmern oder sich einen in die Rüstung zu römern. So bleibt Amsterdam immer ein bisschen die versiffte Kifferstadt mit einem scheinbar unlösbaren Abfallproblem.

    Und trotzdem liebe ich sie. Mit all ihren Facetten. Ich liebe es, sie weiter zu entdecken, kennenzulernen und meine Lieblingsplätze zu speichern, um immer wieder zurückzukehren. In einer Stadt, die offen für alle Menschen ist und das Leben und die freie Liebe zu feiern scheint.

    Amsterdam!

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    Dear diary

    I live in Amsterdam.

    I still can’t quite believe it. A rhythm is slowly starting to settle in, and yet I still feel like I’m on holiday. Who knows, maybe I’ll get lucky and that feeling will never fully go away.

    Because everything is still new and unfamiliar to me, I pay attention to everything, take a closer look at things, and observe consciously. The people. The vibe. The city.

    A city of a thousand crooked houses, brick walls, canals, bridges, and narrow streets. Every corner holds a new surprise.

    The ground is incredibly uneven. You really shouldn’t look at your phone while walking, I promise you’ll trip within 60 seconds. Thanks to all the bridges, the path constantly goes up and down, left and right, forward and back. In this city, I could collect steps like nowhere else.

    Small walkways, pavements, and paths give the whole picture a sense of playfulness, almost like a labyrinth you actually want to get lost in. Rainbow flags, glowing signs, and colorful displays bring life and joy to the city. The building facades are a dream, and the tall windows offer glimpses into incredibly beautiful old apartments with the steepest staircases I’ve ever seen. Cute little shops and boutiques filled with treats, souvenirs, and handmade goods line the streets, and all the major shopping brands are everywhere (yay!). Cafés and restaurants with string lights invite you to sit down and stay a while.

    Amsterdam is incredibly pretty, charming, and inviting. But in many corners, it’s also a damn shithole. If it’s not animals rummaging through the trash, it’s desperate people searching bins for anything usable or edible. Things are simply left lying around on the streets. Trash is also deliberately thrown on the ground — I witnessed it recently and, very Swiss of me, shook my head in disapproval. I actually think the waste system with underground containers outside the city center is great (given the narrow streets, regular garbage trucks wouldn’t work there anyway). Unfortunately, people often don’t follow the rules and just place, drop, or throw everything next to them. Maybe many feel the same as I do, having what feels like 3,376 tons of cardboard and bulky waste to get rid of that simply doesn’t fit into the openings. And because everyone just leaves it next to the containers, the lazy human follows suit.

    I learned that the city of Amsterdam doesn’t spend any money on tourism marketing. It doesn’t have to. Tourists come anyway. Unfortunately, often just to light one up or get completely wasted. That’s why Amsterdam always remains, at least a little, the grimy stoner city with a seemingly unsolvable waste problem.

    And yet, I love her. With all her facets. I love continuing to discover her, to get to know her, and to save my favorite spots so I can always come back. In a city that feels open to everyone and seems to celebrate life and free love.

    Amsterdam!

  • 18.03.2026 – über’s Mutig sein

    ***English below***

    Liebes Tagebuch

    Ich habe das Gefühl, ich groove mich langsam ein. Zumindest was Kleinigkeiten wie Orientierung, Administration und Routinen anbelangt. Ich kenne den Weg ins und vom Büro nun mittlerweile sehr gut. Ich weiss, wie ich am besten abbiege, wie ich mich zwischen 346 anderen Fahrradfahrern verhalten muss, wie ich das Gym einplane, die Post, die Mails und die Einkäufe erledige und welche Geschäfte und Orte wo sind. Es kann mir passieren, dass ich vor einem geschlossenen Laden stehe oder ins falsche Gym laufe, aber das hat wohl nichts mit Amsterdam zu tun.

    Als ich vorhin vom Albert Heijn (die niederländische Coop-Version) mit Musik auf den Ohren durch die süssen Gassen voller Backsteinhäuser nach Hause lief, kam mir in den Sinn, wie viele Menschen mir gesagt haben, dass ich mutig sei, dass ich diesen Schritt gewagt habe. In diesem Moment wurde mir wieder bewusst, dass mich dieser Schritt keinen Mut forderte. Ich kann diese Aussage sehr gut nachvollziehen, und trotzdem habe ich für diese Entscheidung nur einen Faktor benötigt: Motivation.

    Wenn mich jemand fragen würde, ob ich mich als mutig bezeichne, wäre meine Antwort: Nein. Im Gegenteil, ich bin ein totaler Schisser. Ich bin bei einer Alkoholkontrolle nervös, auch wenn ich nicht getrunken habe. Ich bin bei einer Ticketkontrolle nervös, obwohl ich ein gültiges Ticket habe. Ich bin überzeugt, dass ich irgendwann Post vom Finanzamt bekomme, weil ich zu wenig Steuern bezahlt habe. Ich hasse es, jemanden anzurufen, den ich nicht kenne, ich formuliere Gespräche vorher im Kopf und sage dann trotzdem nicht das, was ich eigentlich sagen wollte, und ich vermeide unangenehme Gespräche so lange, bis sie zehnmal unangenehmer werden.

    Die privaten Umstände und die Aussichten im Job haben mir die Motivation gegeben, die Veränderung zu suchen, mich neu kennenzulernen und, ja, ehrlich gesagt auch, um abzuhauen.

    Ich bin überzeugt, dass mich diese Zeit wachsen lässt, mir beim heilen hilft, mich positiv verändert und dass ich nur gewinnen kann. Ich darf neue Menschen kennenlernen, neue Arbeitsweisen, neue Lebenseinstellungen, und ich schenke mir Erkenntnisse und Erlebnisse, die mir für immer erhalten bleiben werden. Und schon alleine diese drei Wochen, die ich hier bin, haben mich mehr geprägt als drei Monate im gewohnten Umfeld.

    Was ich damit sagen möchte, ist, dass es nicht immer Mut braucht, um sich auf Unbekanntes einzulassen. Und selbst wenn, dann lohnt es sich, ihn aufzubringen. Wenn wir uns bewusst machen, was unserem Herzchen gut tut, was uns antreibt und motiviert, wird der Schritt, den wir gehen müssen, plötzlich kleiner, als wir denken.

    Ich glaube, sie lohnt sich.

    Die Suche nach dem Glück.

    Dear Diary

    I feel like I’m slowly getting into the swing of things. At least when it comes to the little things like finding my way around, admin stuff and some routines. I now know the way to and from the office very well. I know where to turn, how to navigate among 346 other cyclists, when to go to the gym and how to handle mail and groceries, and where all the shops and places are. I might still find myself standing in front of a closed shop or walking into the wrong gym, but that’s probably got nothing to do with Amsterdam.

    Earlier, as I walked home from Albert Heijn (the Dutch version of Coop) with music in my ears through the charming streets with brick houses, it occurred to me how many people have told me that I’m brave, that I dared to take this step. In that moment, I realised once again that this step didn’t require any courage on my part. I can understand that statement very well, and yet I only needed one thing to make this decision: motivation.

    If someone were to ask me whether I’d describe myself as brave, my answer would be: no. On the contrary, I’m a total coward. I get nervous at a breathalyser check, even if I haven’t been drinking. I get nervous at a ticket inspection, even though I have a valid ticket. I’m convinced that at some point I’ll receive a letter from the tax office because I’ve paid too little tax. I hate calling someone I don’t know; I rehearse conversations in my head beforehand and then still don’t say what I actually wanted to say, and I avoid awkward conversations until they become ten times more awkward.

    My personal circumstances and my job prospects have given me the motivation to seek change, to get to know myself anew and yes, to be honest, I did run away.

    I am convinced that this time is helping me grow and heal, and that it is changing me for the better. I am sure that I can only benefit from it. I get to meet new people, discover new ways of working and new perspectives on life, and I am giving myself insights and experiences that will stay forever. And these three weeks alone that I have spent here have shaped me more than three months in my usual surroundings.

    What I’m trying to say is that it doesn’t always take courage to embrace the unknown. And even if it does, it’s worth it. When we realise what’s good for our hearts, what drives and motivates us, the step we need to take suddenly seems smaller than we think.

    I believe it’s worth it.

    The search for happiness.

  • 13.03.2026 – Realtalk

    Liebes Tagebuch

    Ich bin heute ziemlich nachdenklich. Ein bisschen unruhig. Und irgendwie labil. Von einer Stunde zur anderen ändert sich meine Stimmung. Ich mache mir viele Gedanken über Einsamkeit. Über das Alleinsein und darüber, sich alleine zu fühlen.

    Es ist Freitagabend. Ich bin alleine. Neben mir flackert eine Kerze und Coldplay nimmt mir ein wenig die Stille im Raum. Ich habe Wäsche gewaschen, gekocht, gegessen und (ein bisschen) aufgeräumt. (Mal wieder) habe ich eine IKEA-Bestellung erledigt, bei einem niederländischen Lieferanten eine Strelitzie bestellt und mir eine Bluse gegönnt, die ich schon länger bestellen wollte.

    Jetzt sitze ich im Wohnzimmer und langsam wird es ruhig. Und wenn es ruhig wird, werden die Gefühle und Gedanken lauter. Da ist Unsicherheit darüber, was ich jetzt als Nächstes machen soll und die Sorge, ob es mir gut geht damit.

    Diese Momente wühlen Gefühle auf, die mich damals dazu gebracht haben, meine vertraute Umgebung verlassen zu wollen. Die Umgebung war zwar noch vertraut, aber nicht mehr ertragbar. Das plötzliche Alleinsein und das Bestreiten des Alltags ohne die engste vertraute Person haben meine Fähigkeit, mit der Stille im Raum umgehen zu können, zunichte gemacht. Zuvor musste ich nichts tun, die Ruhe und das Alleinsein waren einfach Teil der Zeit. Und auf einmal zerreisst diese Stille alle Mauern der Gelassenheit.

    Natürlich könnte ich jetzt einen Film schauen, ein Buch lesen oder – noch engagierter – mich anziehen mich in eine Bar um die Ecke setzen. Vielleicht würde ich andere Menschen kennenlernen. Vielleicht auch nicht. Und selbst wenn man neue Menschen kennenlernt, kehrt man irgendwann wieder zurück ins Wohnzimmer, wo man sich fragt, ob man mit der Stille umgehen kann und etwas mit sich anzufangen weiss.

    Ich glaube, Einsamkeit hat nichts damit zu tun, wie viele Menschen man um sich hat. Vielmehr damit, ob die eigenen Bedürfnisse und Wünsche nach Nähe, Verbundenheit und Vertrauen gestillt werden. Wie sehr das Herz gefüllt ist mit dem Gefühl, geliebt zu werden, Liebe geben zu können, behütet zu sein und sichere Orte zu haben, an die man immer gehen kann.

    Damit sich etwas füllen kann, muss es ganz sein.

    Und so geht es darum, wie lange es dauert, bis man diese Leere nicht nur wieder aushalten, sondern sie vielleicht sogar geniessen kann. Bis man in diese stillen Momente im Wohnzimmer zurückkehrt und einfach nur dankbar ist.

    Und vielleicht ist dieser Abend genau das: ein ruhiger Moment irgendwo zwischen Erinnerungen, Wiederaufbau und Heilung. Einer, der sich für einen Augenblick viel zu still anfühlt – und gleichzeitig irgendwo Hoffnung auslöst.

  • 11.03.2026 – über Ärger, Freude und Diversität

    Liebes Tagebuch

    Seit Montag fahre ich mit dem Fahrrad zur Arbeit. Ich kann dir sagen, das fühlt sich ganz anders an, als mit der Bahn zu fahren. Erstens bin ich schneller. Zweitens gibt mir das Fahren durch die Strassen und Gassen ein ganz anderes Zugehörigkeitsgefühl zu meinem neuen Wohnort. Und drittens kann ich mich jetzt endlich über die Touristen aufregen, die auf den Fahrradstrassen nicht nach links und rechts schauen. Darauf habe ich ja schon lange gewartet.

    Gerade heute auf dem Nachhauseweg musste ich eine Notbremse ziehen, bzw. mit der Rücktrittbremse drücken (hat erfolgreich geklappt). Das Hinterrad driftete lässig nach rechts. Der Touri erschrak. Ich habe mich kurz genervt und mich dann darüber gefreut, dass ich mich darüber nerven konnte.

    Des Weiteren habe ich heute viel Dankbarkeit empfunden. Ich glaube, dass mich diese neue Position auch auf mentaler Ebene weiterbringen kann. An unserem Standort in Amsterdam arbeiten rund 160 Mitarbeitende aus etwa 40 Nationen. Unterschiedliche Herkunft, unterschiedliche Religionen, Hautfarben, verschiedene sexuelle Orientierungen, Ernährungsweisen, Kleidungsstile und Geschlechter. Mein Umfeld ist so divers, wie ich es in meinem Leben noch nie erlebt habe. Mit einer Arbeitskollegin habe ich darüber gesprochen, wie bereichernd es ist, mit so unterschiedlichen Menschen zusammenzuarbeiten. Vor allem aber in einer Umgebung, die allen mit einer Offenheit und Selbstverständlichkeit gegenübertritt, die jedem erlaubt, genau so zu sein, wie er oder sie sein möchte.

    Das Schönste daran ist also: ALLES IST TOTAL “NORMAL”.

    Und das Wort “normal” verwende ich grundsätzlich nicht gerne, weil es aus meiner Sicht kein “normal” und “nicht normal” geben sollte. Aber genau so fühlt es sich an. Niemand muss sich erklären, niemand wird eingeordnet. Man arbeitet einfach zusammen. Der Fokus liegt auf dem Ziel: gemeinsam erfolgreich zu sein und zusammen eine gute Zeit zu haben. Es existiert ein Safe Space, der nicht an einen Ort oder eine Zeit gebunden ist, sondern eine Haltung darstellt. Niemand wird verurteilt oder zurückgehalten.

    Ich behaupte, dass Menschen, die in einem solchen Umfeld arbeiten dürfen, Offenheit und Respekt gegenüber anderen Lebensweisen und Ansichten entwickeln sowie unglaublich viel Einfühlungsvermögen und Verständnis. Dass ich das erleben darf, gehört zu den grössten Dingen überhaupt. Und dafür bin ich sehr dankbar. Dafür liebe ich Amsterdam.

    Nebenbei möchte ich noch festhalten, dass ich den Kampf gegen die Waschmaschine und den Gasherd erfolgreich gewonnen habe.

    Haushaltsgeräte: 0 / Simi: 1

    PS: Vielleicht sind neue Lebensabschnitte ein bisschen wie Sommersprossen. Am Anfang weiss man nicht genau, wo sie herkommen, und irgendwann gehören sie einfach dazu.