Category: my amsterdam diary

  • 23.08.2026 – the people

    ***English below***

    Liebes Tagebuch

    Amsterdam ist eine totale Expat-Stadt. In Restaurants, Bars und Cafés hört man sehr viel Englisch. Wenn ich dann Einheimische höre, die Niederländisch reden, bin ich immer kurz erstaunt und denke: „Ah, die sind sogar von hier.“ Wie fühlt sich das wohl an, wenn man im eigenen Land so oft Englisch sprechen muss, oder darf?

    Für mich als Ausländerin ist es sehr angenehm. Man fühlt sich nicht so schnell als Aussenseiterin, weil man eine Sprache spricht, die hier, auch wenn sie nicht die Landessprache ist, sehr viele Menschen ganz selbstverständlich sprechen. Das gibt ein Zugehörigkeitsgefühl und lässt mich nicht als Einzige anders wirken.

    Neben einer für meine Ohren irgendwie vertraut niedlichen und „ch“-lastigen Sprache sind die NiederländerInnen direkter als Herr und Frau Schweizer. Wir SchweizerInnen versuchen, Inputs und Kritik so anzubringen, dass sich das Gegenüber nicht auf die Füsse getreten fühlt. Hier kommuniziert man das offener. Nicht abwertend oder respektlos, einfach direkter und ehrlicher. Damit muss man umgehen können. Und mit „man“ meine ich mich.

    Es wird hier jedoch weniger gejudget. Zum Beispiel, was Äusserlichkeiten betrifft. Bei uns im Büro interessiert es niemanden, was du anhast, wie deine Haare aussehen oder ob du Make-up trägst. Das passt auch ein bisschen zu dem Bild, dass sich die Menschen hier bei jedem Wetter aufs Velo schwingen und nass, verstrubbelt und ohne geglättete Haare am Ziel ankommen. Das gibt mir das Gefühl, dass es wichtigere Dinge in den Köpfen der Menschen gibt. Und das ist ein schönes Gefühl. Eine Sympathie.

    Als ich hier im Job angefangen habe, habe ich mich erkundigt, ob es eine Kleiderordnung gibt. Ich wurde angelächelt und mir wurde nahegelegt, dass es allen vollkommen schnurzegal ist, wie ich rumlaufe. Wenn ich möchte, könne ich im Pyjama kommen. No one cares. Und seit Langem war ich am Morgen nicht mehr so schnell parat wie jetzt. Es passt einfach alles in die Grundeinstellung der Menschen: „Sei einfach so, wie du bist oder sein möchtest.“

    Auch im Allgemeinen kommt es mir so vor, dass man hier alles macht, damit die Menschen glücklich sind. Das ist wohl die nordische Kultur. Es gibt unglaublich viele Angebote für alle: Ausstellungen, Festivals, Sportangebote, Museen, Treffpunkte, Workshops, Theater und lange sowie tägliche Öffnungszeiten. Orte, an die man alleine hingehen kann, an denen man mit dem Laptop arbeiten, Fremde oder Freunde treffen, alleine oder in einer Gruppe sein kann. Es gibt so viele Möglichkeiten, sich zu äussern, sich zu verwirklichen, sich auszuleben oder unter all den Menschen einfach für sich zu sein. Ich mag das sehr. „Alles ist möglich. Nichts muss.“

    Wenn ich durch die Strassen und Gassen laufe oder sich mein Weg irgendwo mit dem eines anderen Menschen kreuzt, habe ich das Gefühl, hier öfter angelächelt zu werden. Und ich mag das. Vielleicht fällt es mir auch besonders auf, weil ich selbst total der Anlächel-Typ und grundsätzlich ein grosser Menschen-Freund bin. Ich mag diese kleinen, freundlichen Gesten und Begegnungen.

    Man weiss schliesslich nie, was im Gegenüber gerade vor sich geht. Vielleicht macht ein Lächeln keinen Unterschied. Vielleicht aber doch. Vielleicht trägt jemand diesen kurzen Moment der Freundlichkeit ein Stück mit sich und gibt ihn irgendwann weiter. Ich mag den Gedanken, dass so aus einer kleinen Geste eine Kette von Freundlichkeiten entstehen kann. Und irgendwie habe ich das Gefühl, dass genau das hier ein bisschen mehr gelebt wird.

    So angenehm der Umgang mit den Menschen ist, so schwer nachvollziehbar ist für mich der Umgang mit der Stadt. Das Zentrum von Amsterdam ist unglaublich dreckig. Neben Abfall liegen die Strassen und Velowege ständig voller Scherben. Zu Beginn bin ich wie bei einem Ski-Weltcup Slalom gefahren. Mittlerweile habe ich dieses Verfahren aufgegeben und fahre einfach durch und hoffe, dass das Glück auf meiner Seite ist und ich nicht schon wieder mit einem Platten ende. Bei dieser Menge an Scherben kann das nämlich jederzeit passieren.

    Eigentlich bräuchte man hier fast ein Dauerabo beim Velomech. Eine „Flat Rate“ sozusagen (Hihi, der ist mir selbst eingefallen). Aber im Ernst: Macht doch bitte was gegen den Abfall. Das trägt schliesslich auch zum Wohlbefinden der Menschen bei.

    Die Menschen hier wirken auf mich offen, freundlich, fröhlich und liberal.

    Und ich wünsche mir, dass wir alle nicht vergessen, was kleine Gesten auslösen können. Jemandem die Türe aufhalten, etwas Runtergefallenes aufheben, eine Süssigkeit oder Blumen mitbringen oder einfach kurz lächeln. Manchmal braucht es nicht viel, um eine wundervolle Kettenreaktion auszulösen.

    Be kind. Always.

    ********************

    The people

    Dear Diary

    Amsterdam is a total expat city. You hear a lot of English in restaurants, bars and cafés. Whenever I hear locals speaking Dutch, I’m always a little surprised and think, “Oh, they’re actually from here.” I wonder what it feels like to have to speak English so often in your own country. Or to be able to.

    For me as a foreigner, it’s very comfortable. You don’t feel like an outsider as quickly because you speak a language that, even though it isn’t the local language, so many people here speak completely naturally. It gives you a sense of belonging and makes me feel like I’m not the only one who’s different.

    Besides having a language that somehow sounds familiar, cute and very “ch”-heavy to my ears, the Dutch are more direct than Mr and Mrs Swiss. We Swiss tend to give input and criticism in a way that tries not to step on anyone’s toes. Here, people communicate more openly. Not in a rude or disrespectful way, just more directly and honestly. You have to be able to deal with that. And by “you”, I mean me.

    But there seems to be less judging here. Especially when it comes to appearances. At our office, nobody cares what you’re wearing, what your hair looks like or whether you’re wearing make-up. It also fits the image of people here getting on their bikes in any kind of weather and arriving at their destination wet, windswept and with definitely-not-straightened hair. It gives me the feeling that people simply have more important things on their minds. And I really like that.

    When I started my job here, I asked if there was a dress code. I got a smile and was basically told that absolutely no one cares what I wear. If I wanted to, I could come to work in my pyjamas. And it’s been a long time since I’ve been ready this quickly in the morning. It all seems to fit this general mindset: “Just be who you are. Or who you want to be.”

    In general, I also get the feeling that a lot is done here to make people happy. Maybe that’s part of the Northern European culture. There are an incredible number of things for everyone: exhibitions, festivals, sports, museums, meeting places, workshops, theatres and long opening hours, often every day of the week. Places you can go to alone, work on your laptop, meet strangers or friends, be by yourself or be part of a group. There are so many ways to express yourself, to do your own thing, to live the way you want to live, or simply to be by yourself among everyone else. I really like that. “Everything is possible. Nothing is a must.”

    When I walk through the streets, or when my path crosses someone else’s somewhere along the way, I feel like people smile at me more often here. And I like that. Maybe I notice it more because I’m totally the kind of person who smiles at people, and generally just a big people person. I like those small, friendly gestures and encounters.

    After all, you never know what’s going on inside the person in front of you. Maybe a smile makes no difference. But maybe it does. Maybe someone carries that brief moment of kindness with them for a little while and passes it on to someone else later. I like the thought that one small gesture can turn into a whole chain of kindness. And somehow, I feel like that’s lived a little more here.

    As pleasant as the way people treat each other is, I find the way they treat the city itself much harder to understand. The centre of Amsterdam is incredibly dirty. Besides rubbish, the streets and bike lanes are constantly covered in broken glass. In the beginning, I used to cycle around it like I was competing in a World Cup slalom. By now, I’ve given up on that strategy. I just cycle straight through and hope luck is on my side and I don’t end up with yet another flat tyre. With that amount of broken glass, it can happen at any time.

    You almost need a subscription to the bike repair shop here. A “flat rate”, so to speak. (Hehe, I came up with that one myself.) But seriously: please do something about the rubbish. After all, that contributes to people’s well-being too.

    The people here seem open, friendly, cheerful and liberal to me.

    And I hope we all remember what small gestures can do. Holding the door open for someone, picking up something they’ve dropped, bringing someone a little treat or some flowers, or simply giving them a quick smile. Sometimes it doesn’t take much to start a wonderful chain reaction.

    Be kind. Always.

  • 16.08.2026 – über Radio, KLM und FOMO

    ***English below***

    Liebes Tagebuch

    Ich sitze auf der Terrasse des Hotel Schweizerhof und blicke über den Basler Bahnhofsplatz. Ich habe „Moon Rider“ von Jai Wolf und WRABEL auf den Ohren. Von hier oben und mit dieser Musik schwelge ich noch in Gedanken an meinen Aufenthalt und beobachte die Menschen, die ihren allsonntäglichen Aufgaben nachgehen.

    Es sieht so aus, als würde es bald zu regnen beginnen. Das freut mich für die Pflanzenwelt. Sie hat bestimmt Durst. Meinem Trinkverhalten der letzten drei Tage nach könnte man meinen, auch ich wäre kurz vor dem innerlichen Austrocknen gewesen.

    Ich war also dieses Wochenende wieder in Basel. Nicht, weil ich Heimweh hatte, sondern weil ein Festival stattgefunden hat, bei dem ich unbedingt dabei sein wollte. Und trotz des nicht so richtig zutreffenden Titels habe ich im Format „Heimweh Baslerin“ in der Radio-Basilisk-Morgenshow teilgenommen. Ich durfte mit Mirco über mein Amsterdam-Abenteuer plaudern und berichten.

    Und ich denke: Das ist er jetzt also. Der Start meiner medialen Erfolgskarriere. Es folgt nun die klassische Treppe nach ganz oben: wichtige Interviews, Podcasts, weitere Radio-Auftritte, Teilnahmen an Reality-TV-Formaten und Kochsendungen, ein Auftritt an der TV total Wok-WM und schliesslich ein reiches, berühmtes Dasein als Influencerin.

    Spass gemacht hat’s wirklich. Und man weiss nie, wohin unsere Wege uns führen. Das mag ich ja. Und damit meine ich nicht das Influencer-Dasein. Ich meine das mit dem Weg und dem Ziel.

    Auf jeden Fall habe ich einfach nur Folgendes zu berichten:

    • Ich liebe Musik, die in der Brust scheppert und mich zum Hüpfen bringt.
    • Ich denke über mein nächstes Tattoo nach.
    • Anscheinend bin ich auch mit 39 Jahren noch nicht in der Lage, zu übertriebenem Alkoholkonsum Nein zu sagen.
    • Wie toll ist bitte die Amber Bar?
    • Ich liebe diesen Moment, wenn man Freunde ungeplanterweise antrifft und sich freudig in die Arme fällt.
    • Es ist etwas ganz Besonderes, in der eigenen Stadt ins Hotel zu gehen. Die ÖV-Karte, mit der man „kostenlos“ Tram und Bus fahren kann, ist grossartig.
    • Der Kaffee im Hotel Schweizerhof ist gar nicht mal so gut.
    • Warum wird am „Em Bebbi sy Jazz“ eigentlich fast nirgends Jazz gespielt?
    • KLM hilft mir bei der Bekämpfung meiner FOMO, die ich habe, seit ich in Amsterdam wohne, und bringt mich zu (fast) allen für mich wichtigen Ereignissen.
    • Apropos Ereignisse: Mein nächster Basel-Besuch ist im Oktober.
    • Warum habe ich eigentlich noch keinen VIP-Status bei KLM? Einen Rabattcode oder so? Ich frag ja nur.
    • Wenn ich in ein Flugzeug steige, muss ich immer kurz die Türe berühren. Sonst stürzt es ab.
    • Was ich nie werden möchte, ist Mitarbeiterin bei der Security Control. Die armen Säcke. Gestresste Menschen überall, zu viele unterschiedliche Regeln, zu viel Unfreundlichkeit, zu viele Sprachbarrieren und wahrscheinlich zu viel Bluthochdruck.
    • Es ist für mich ein Privileg, immer mal wieder zwischen BSL und AMS hin- und herzureisen und dort sein zu können, wo es mich gerade hinzieht oder hintreibt. Das ist schön und macht etwas Positives mit mir. Was sich wiederum gut auf mein Herzchen auswirkt (Danke, Paps).

    Und zu guter Letzt ein Memo an mich: Auch Alka-Seltzer wirkt unerstaunlicherweise nur, wenn man es einnimmt.

    *********************

    About Radio, KLM and FOMO

    Dear Diary

    I’m sitting on the terrace of Hotel Schweizerhof, looking out over the square in front of Basel train station. I’ve got “Moon Rider” by Jai Wolf and WRABEL playing in my ears. Up here, with this music, I’m still lost in thoughts about my stay while watching people go about their usual Sunday routines.

    It looks like it’s going to start raining soon. I’m happy for the plants. They must be thirsty. Judging by my drinking habits over the past three days, you might think I was on the edge of drying out on the inside too.

    So, I was back in Basel again this weekend. Not because I was homesick, but because there was a festival I really wanted to go to. And despite the title not being entirely accurate, I took part in a format called “Heimweh Baslerin” on the Radio Basilisk morning show. I got to chat with Mirco about my Amsterdam adventure and share a little about it.

    And I’m thinking: So this is it. The beginning of my successful media career. From here, it’s the classic climb to the top: important interviews, podcasts, more radio appearances, reality TV shows and cooking programmes, an appearance at the TV total Wok WM, and finally a rich and famous life as an influencer.

    It really was a lot of fun. And you never know where life will take you. I like that. And I don’t mean the influencer life. I mean the whole journey-and-destination thing.

    Anyway, here’s simply what I have to report:

    • I love music that pounds in my chest and makes me want to jump around.
    • I’m thinking about my next tattoo.
    • Apparently, even at 39, I’m still not capable of saying no to excessive amounts of alcohol.
    • How great is Amber Bar, please?
    • I love that moment when you unexpectedly run into friends and happily fall into each other’s arms.
    • There’s something very special about staying in a hotel in your own city. The public transport card that lets you travel “for free” on trams and buses is brilliant.
    • The coffee at Hotel Schweizerhof really isn’t that great.
    • Why is there hardly any jazz being played at “Em Bebbi sy Jazz”?
    • KLM is helping me fight the FOMO I’ve had since moving to Amsterdam by getting me to (almost) all the events that matter to me.
    • Speaking of events: my next visit to Basel will be in October.
    • Why don’t I have VIP status with KLM yet? A discount code or something? Just asking.
    • Whenever I get on a plane, I have to briefly touch the door. Otherwise, it will crash.
    • One job I never want to have is working at airport security. Those poor souls. Stressed people everywhere, too many different rules, too much rudeness, too many language barriers, and probably way too much high blood pressure.
    • I feel very privileged to be able to travel back and forth between BSL and AMS every now and then, and to be wherever I feel drawn, or driven to be. It’s a beautiful thing, and it does something positive to me. Which, in turn, is good for my little heart (thanks, Dad).

    And finally, a memo to myself: Unsurprisingly, even Alka-Seltzer only works if you actually take it.

  • 01.08.2026 – 5 months!

    ***English below***

    Liebes Tagebuch

    Schon wieder ist ein Monat vorbei!

    Im Juni und Juli hatte ich viel Besuch von wundervollen Freunden aus der Schweiz und das Wiedersehen und die Verbundenheit hat sich angefühlt, als wäre ich nie weggegangen. Und ich habe einmal mehr gemerkt, dass ich diesbezüglich in einer echten Luxussituation lebe.

    Ich durfte erleben, wie schnell sie hier sind. Und wie schnell ich dort sein kann. Gerade als ich diese Zeilen schreibe, sitze ich im Flugzeug, das genau 60 Minuten in der Luft sein wird, bis es in Basel landet. (Notiz an KLM: easyJet hat das manchmal in 55 Minuten geschafft. Just sayin.’) Eine Stunde und ich kann (fast) alle wieder umarmen und abknutschen.

    Meine ArbeitskollegInnen freuen sich für mich, wenn ich Besuch bekomme oder übers Wochenende nach Hause fliege. Gleichzeitig spüre ich aber auch immer ein bisschen Wehmut. Viele von ihnen haben ihre Familien weit weg. Zum Beispiel in Südafrika, Israel, Australien oder Malaysia. Da ist ein Besuch nicht so schnell gemacht und die Lieblingsmenschen werden oft schmerzlich vermisst. Umso dankbarer möchte ich für meine Situation sein.

    Ich bin ganz nah. Im Herzen sowieso.

    Und so sehr ich diese Nähe und die stetige Verbundenheit schätze, habe ich auch gemerkt, wie sehr man Menschen, Situationen oder gewisse Momente vermissen kann.

    In einem Podcast wird den Gästen immer dieselbe Frage gestellt. Seit ich in Amsterdam lebe, weiss ich genau, wie ich sie beantworten würde.

    “Was ist das schönste Kompliment für dich?”

    Und ich würde antworten:

    “Ich vermisse dich.”

    Irgendwie haben wir doch alles, was wir zum Leben brauchen. Aber zu hören, dass man in einem anderen Leben fehlt und eine kleine Lücke hinterlässt, das ist für mich eines der schönsten Komplimente überhaupt. Es bedeutet, dass man in den Gedanken eines Menschen auftaucht. Dass die gemeinsame Zeit immer etwas Besonderes und Wertvolles war. Dass man ein Herz berührt. Dass man Spuren hinterlässt, von denen sich jemand mehr wünscht. Und dass man im Leben eines Menschen einen Platz gefunden hat, der sich leer anfühlt, wenn man nicht da ist.

    Und so habe ich das grosse Glück, dass ich vermisst werde und gleichzeitig Menschen in meinem Leben habe, die ich vermisse. Ich darf vermissen und gleichzeitig wissen, dass ich unglaublich schnell dort sein kann, wo dieses Vermissen für einen Moment wieder verschwindet und Platz für ein Wiedersehen macht.

    In Basel zu sein, fühlt sich immer ganz besonders an. Wenn ich in meinem Kopf Sätze formuliere, muss ich mich jeweils kurz daran erinnern, dass ich jetzt wieder Schweizerdeutsch sprechen kann.

    Basel wirkt im Vergleich zu Amsterdam unglaublich sauber. Ordentlicher. Geregelter, langsamer und ruhiger. Amsterdam hingegen ist wild, laut, schmutzig, bunt und chaotisch. Wobei auch Amsterdam seine ruhigen Ecken hat. Orte, die Gemütlichkeit ausstrahlen und an denen die Stadt plötzlich ganz leise wird.

    Und so erlebe ich die Mischung aus all dem.

    Vermissen und Wiedersehen.
    Laut und leise.
    Geregelt und bunt.

    Ich geniesse den Luxus von Amsterdam und Basel.

    PS: Happy Birthday Schwiz! Happy Pride Month Amsterdam!

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    5 months!

    Dear Diary

    Another month has flown by!

    In June and July, I had many wonderful friends from Switzerland come and visit me. Our connection felt exactly as it always had, as if I had never left. And I realised once again that, in this matter, I’m in a truly privileged position.

    I’ve been able to experience just how quickly they can be here and I can be there. As I write these lines, I’m sitting on a plane that will be in the air for exactly 60 minutes, until it reaches its destiny Basel. (Note to KLM: easyJet has sometimes managed it in 55 minutes. Just sayin’.) One hour and I can hug and kiss (almost) everyone again.

    My colleagues are happy for me when I have visitors or fly home for the weekend. At the same time, though, I always feel a touch of wistfulness. Many of them have their families far away. In South Africa, Israel, Australia or Malaysia, for example. A visit isn’t something you can just pop over for, and they often miss their loved ones terribly. That makes me all the more grateful for my own situation.

    I’m very close by. In my heart, anyway.

    And as much as I appreciate this closeness and the constant sense of connection, I’ve also realised just how much one can miss people, situations or certain moments.

    In a podcast, the guests are always asked the same question. Ever since I’ve been living in Amsterdam, I’ve known exactly how I’d answer it.

    “What’s the nicest compliment you could receive?”

    And I’d reply:

    “I miss you.”

    Somehow, we already have everything we need to live. But hearing that you are missed, that your absence leaves a small empty space in someone else’s life, is one of the greatest compliments I can imagine. It means that you appear in someone’s thoughts. That the time you shared was always meaningful and valuable. That you touched someone’s heart. That you left footprints they wish there were more of. And that you found a place in someone’s life that feels a little emptier when you’re not there.

    And so I am incredibly lucky to be missed and to have people in my life whom I miss. I am allowed to miss them while knowing that I can be with them in no time at all and where that sense of missing disappears and is replaced by the joy of being together again.

    Being in Basel always feels very special. Whenever I’m forming sentences in my head, I have to remind myself for a moment that I can speak Swiss German again.

    Compared to Amsterdam, Basel seems incredibly clean. Tighter. More orderly, slower and quieter. Amsterdam, on the other hand, is wild, loud, dirty, colourful and chaotic. Although Amsterdam does have its quiet corners too. Places that feel cosy and where the city suddenly becomes very quiet.

    And so I get to experience a little bit of all of it.

    Missing and being together again.
    Loud and quiet.
    Orderly and colourful.

    I enjoy the luxury of both Amsterdam and Basel.

    PS: Happy Birthday Switzerland! Happy Pride Month Amsterdam!

  • 17.07.2026 – über Wunder und den Alltagstrott

    ***English below***

    Liebes Tagebuch

    Es ist Freitag! Tagebuchzeit. Yay.

    Ich sitze in einem Café, das ich neu entdeckt habe. Darauf gestossen bin ich, als ich ein UPS- und ein DHL-Paket abholen musste. Über mein Online-Shopping-Verhalten sprechen wir heute nicht. Aber die Kleider, der Hut und die Schuhe sitzen hervorragend.

    Das Café befindet sich in dem Quartier, in dem ich wohne. Es ist nichts Besonderes. Es bietet nichts, was andere Cafés nicht auch bieten. Aber es hat einfach diesen Vibe. Dort sitzen Menschen, bei denen ich mir denke: Die sind cool. Also setze ich mich da auch hin. Ich will schliesslich auch cool aussehen, wenn jemand an mir vorbeiläuft und seine Online-Shopping-Pakete von DHL und UPS abholt.

    Dieses Gefühl, ständig Neues zu entdecken und noch nicht im Alltagstrott angekommen zu sein, mag ich sehr.

    Zu Hause hatte ich oft dieses Gefühl von: Und jetzt? Vieles ist bekannt, vieles wiederholt sich, und die Wege kennt man irgendwann fast blind.

    Ich will damit nicht sagen, dass ein Alltagstrott etwas Negatives ist. Er gibt Orientierung, Sicherheit und Vertrauen. Er ist wie ein Kreis um die eigene Person, in dem man sich wohl und zu Hause fühlt. Ein Ort, an dem man sich bewegt, ohne nachzudenken.

    Und trotzdem kann irgendwann das Gefühl aufkommen, dass es ausserhalb dieses Kreises noch mehr geben muss. Etwas, das sich lohnt, entdeckt zu werden. Und dann benötigt es manchmal Mut, manchmal ein Bedürfnis oder eine Vorstellung, um dann den Schritt zu machen. Den Schritt über diese imaginäre Grenze des Bekannten.

    Ich mag es, manchmal mutig sein zu müssen. Weil Mut fast immer belohnt wird. Mit neuen Erfahrungen. Mit Begegnungen. Mit Erlebnissen, von denen man vorher nicht einmal wusste, dass sie möglich sind.

    Man fühlt plötzlich Gefühle, die neu sind. Gefühle, die ein Kribbeln auslösen. Und irgendwann wird aus der Aufregung dieses zufriedene Gefühl von: Ich hab’s geschafft. Und es war gar nicht schlimm. Im Gegenteil. Es hat sich gelohnt.

    Das Gefühl von Und jetzt? ist hier ganz weit von mir entfernt. Es fühlt sich hier nach wie vor wie Ferien an. Jeder Tag ist ein kleines Abenteuer. Jede Fahrradfahrt fühlt sich an wie ein Aufwachen aus einem Traum, bei dem ich kaum glauben kann, dass er Realität ist.

    Hinter jeder Ecke könnte ein neues Café oder eine neue Bar sein. Jeden Tag könnte ich einen neuen Ort entdecken, der mir gefällt und an dem ich bleiben möchte. Einen Ort, an dem ich mich wohlfühle, ganz unabhängig davon, ob ich cool aussehe.

    Darum bin ich hier.

    Genauso schön ist es aber auch, wenn ich wieder zu Hause bin und die vertrauten Gesichter und bekannten Orte sehe. Dann steigt eine Wärme in meinem Herzchen auf, die ich an keinem anderen Ort der Welt finden werde.

    Darum wird das auch immer mein Zuhause bleiben. Basel, meine Heimat. Amsterdam, meine Wahlheimat.

    Und wenn wir schon beim Nationalstolz angekommen sind, möchte ich zum Schluss noch meine Traurigkeit darüber ausdrücken, dass die Schweizer Nati gegen Argentinien verloren hat.

    Mit wundervollen Schweizer Freunden sind wir bis morgens um sechs Uhr in einer Bar geblieben. Wir haben gehofft. Gezittert. Aber vor allem gehofft. Ich hatte wirklich das Gefühl, dass ein kleines Wunder möglich ist. Am Ende haben uns die zahlenmässig deutlich überlegenen argentinischen Fans ihre Freudengesänge um die Ohren gehauen. Toll …

    Aber dieses kleine Funkeln in der Bauchregion, dieses Kribbeln, dass Wunder möglich sind, war so schön.

    Und genau dieses Gefühl nehme ich mit in meinen Alltag hier. Ganz ohne Trott.

    Ich glaube an kleine Wunder. An Zauber. Und an dieses kleine Quäntchen Glück, das einem im Leben entgegenkommen kann.

    *************************

    About miracles and the daily routine

    Dear Diary

    It’s Friday! Time for my diary post. Yay.

    I’m sitting in a café I’ve just discovered. I stumbled across it when I had to pick up a UPS and a DHL parcel. We’re not talking about my online shopping habits today. But the clothes, the hat and the shoes fit perfectly.

    The café is in the neighbourhood where I live. It’s nothing special. It doesn’t offer anything that other cafés don’t. But it has that certain vibe. There are people sitting there and I find myself thinking, They look cool. So I sit there too. After all, I also want to look cool when somebody else is collecting online shopping parcels from DHL and UPS.

    I really like that feeling of constantly discovering new things and not having settled into a routine just yet.

    Back home, I often had this feeling of: What now? So much is familiar, so much repeats itself, and at some point you know the routes almost by heart.

    I’m not saying that routine is a bad thing. It gives you orientation, safety and trust. It’s like a circle around yourself, within which you feel comfortable and at home. A place where you move without even thinking.

    And yet, the feeling can arise that there must be more beyond that circle. Something worth discovering. And then it sometimes takes courage, sometimes a need or simply an idea, to take that step. The step across that imaginary boundary of the familiar.

    I like having to be brave sometimes. Because courage is almost always rewarded. With new experiences. With new people. With adventures you didn’t even know were possible before.

    Suddenly, you experience emotions that are completely new. Emotions that make something inside you come alive. And eventually, that excitement turns into that deeply satisfying feeling of: I did it. And it wasn’t bad at all. Quite the opposite. It was absolutely worth it.

    That feeling of What now? is far away from me here. It still feels like I’m on holiday. Every day is a little adventure. Every bike ride feels almost surreal, like I can hardly believe this is actually my life.

    There could be a new café or a new bar just around every corner. Every day I could discover a new place that I like and where I want to stay. A place where I feel at ease, regardless of whether I look cool or not.

    That’s why I’m here.

    But it’s just as beautiful when I’m back home and see the familiar faces and familiar places. Then a warmth rises in my heart that I won’t find anywhere else in the world.

    That’s why this will always be home.

    And while we’re on the subject of national pride, I’d like to end by expressing how sad I was that the Swiss national team lost to Argentina.

    Together with some wonderful Swiss friends, we stayed in a bar until six in the morning. We hoped. We held our breath. But above all, we hoped. I truly felt that a little miracle was possible. In the end, the Argentine fans, who vastly outnumbered us, made sure we heard every single one of their victory chants. Great…

    But that little spark in the pit of my stomach, that tingling feeling that miracles are possible, was so beautiful.

    And that’s exactly the feeling I’m taking with me into my everyday life here. Far away from any routine.

    I believe in little miracles. In magic. And in that little bit of luck that life sometimes brings your way.

  • 01.07.2026 – 4 months!

    ***English below***

    Liebes Tagebuch

    Es ist mal wieder Zeit für einen Jubiläumspost!

    Mein Paps würde an dieser Stelle genüsslich sagen:

    “Es isch chuum zum glaube, aber wohr,
    d’Simi isch in Amsterdam scho sitteme Drittel Joor.”

    Und recht hätte er. Seit einem Drittel Jahr bin ich nun hier.

    Und ausgerechnet jetzt ist etwas passiert, das es hier so noch nie gegeben hat.

    Code Red.

    Zum ersten Mal in der Geschichte der Niederlande wurde aufgrund der Hitze der Code Red ausgerufen. Das bedeutet: Schulen und Kitas bleiben geschlossen, gewisse Berufe werden nicht ausgeübt und die Regierung bittet die Menschen, das Haus nur zu verlassen, wenn es ABSOLUT NOTWENDIG ist.

    Ich musste darüber ja ehrlich gesagt ein bisschen lachen. Ich fand das schon ein bizzeli übertrieben. Aber hey… who am I to judge.

    Auf jeden Fall habe ich das Haus verlassen und Freunde getroffen. Weil das ABSOLUT NOTWENDIG war.

    Und die Strassen, Parks, Terrassen und Bars waren pumpevoll. Offenbar waren wir nicht die Einzigen, die den Code Red ignoriert haben. Die Hitze wurde zwar unterschiedlich gut vertragen, die Stimmung aber ganz offensichtlich von allen genossen.

    Ich persönlich mag diese Temperaturen eigentlich nicht besonders. Ausser ich liege mit einem Schirmchendrink am Pool oder am Meer. Dann können wir gerne nochmals darüber reden.

    Was ich dafür unglaublich liebe, sind diese langen Sommernächte, bei denen ich mir wünsche, sie würden nie zu Ende gehen.

    Und etwas vom Schönsten an diesen Sommernächten sind für mich die Fahrten auf meinem Fahrrad. Ich habe Das Leben ist schön von LEA oder feelslikeimfallinginlove von Coldplay auf den Ohren, die Sonnenbrille auf der Nase und den Wind in den Haaren, der mir mein 3-Gang-Damenvelo beschert.

    Dann fahre ich gemütlich durch die schmalen Gassen Amsterdams, durch grüne Parks, über Brücken, vorbei an Cafés, Bars und Flüssen. Ich sauge den Charme dieser Stadt auf, mit ihren Backsteinhäusern, den unzähligen Grachten und den kleinen Lichtern, die am Abend langsam überall angehen.

    In genau diesen Momenten fühle ich mich frei. Alles fühlt sich für einen Moment etwas leichter an. Und ich fühle mich, als wäre ich hier in den Ferien.

    Den Menschen scheint es ähnlich zu gehen. Tische und Stühle werden nach draussen getragen und bis spät in die Nacht sitzt man zusammen vor den Häusern, auf Decken im Park oder mit einem Aperol Spritz vor einer Bar.

    Und plötzlich verwandelt dieser Sommer-Vibe diese pulsierende Weltstadt in ein nostalgisches Zuhause, wie es sich wohl alle Städteliebhaber wünschen.

    Amsterdam ist und bleibt meine erste Wahlheimat. Bunt, verrückt, aussergewöhnlich, charmant und garantiert nie langweilig.

    Danke für vier Monate, Amsterdam. Danke für die Momente, in denen sich der Alltag ein bisschen wie Ferien angefühlt hat.

    *********************

    4 months!

    Dear Diary

    It’s time for another anniversary post!

    I’ve been here for a third of a year now.

    And just now, of all times, something has happened that’s never happened here before.

    Code Red.

    For the first time in the history of the Netherlands, a Code Red has been declared due to the heat. This means: schools and childcare facilities remain closed, certain professions are not operating, and the government is asking people to only leave the house if it is ABSOLUTELY NECESSARY.

    To be honest, I had to have a bit of a laugh about it. I thought it was a bit of an overreaction. But hey… who am I to judge.

    In any case, I did leave the house and met up with friends. Because it was ABSOLUTELY NECESSARY. 

    And the streets, parks, terraces and bars were absolutely packed. Apparently, we weren’t the only ones who ignored the Code Red. It was incredibly hot, but everyone seemed to be enjoying the atmosphere.

    Personally, I don’t really like these temperatures that much. Unless I’m lying by the pool or the ocean with a cocktail in my hand. Then we can happily talk about it again.

    What I do love, though, are those long summer nights that I wish would never end.

    And for me, one of the best things about these summer nights is cycling through the city. I’ve got Das Leben ist schön by LEA or feelslikeimfallinginlove by Coldplay playing in my ears, sunglasses on my nose, and the wind in my hair as I ride my trusty 3-speed bike.

    I cycle through Amsterdam’s narrow streets, past green parks, over bridges, and alongside canals, cafés and bars. I soak up the charm of this city, its brick houses, countless canals, and the little lights that slowly begin to glow as evening falls.

    It’s moments like these that make me feel free. Everything feels just a little lighter for a while. It’s almost as if I’m on holiday.

    It seems like everyone else feels the same way. Tables and chairs are carried outside, and people stay out late into the night, sitting in front of their homes, on blankets in the park, or with an Aperol Spritz outside a bar.

    And somehow, this summer vibe transforms this vibrant city into the kind of place every city lover dreams of calling home.

    Amsterdam is, and always will be, the city I chose to call home. Colourful, crazy, extraordinary, charming, and never, ever boring.

    Thank you for four months, Amsterdam. Thank you for all those moments when everyday life felt just a little like a holiday.

  • 21.06.2026 – about me being dramatic

    ***English below***

    Liebes Tagebuch

    Irgendwie ist heute wieder so ein Tag.
    So ein Tag, an dem ich leise bin.

    Ein Tag, an dem ich mich verletzlich und sentimental fühle. An dem mich selbst die kleinsten Dinge treffen könnten.

    Vielleicht sind meine Blogeinträge an solchen Tagen auch etwas bedrückender zu lesen (sorry).

    Ich war schon immer ein melancholischer Mensch. Nachdenklich. Sensibel und emotional. Jemand, der viel hinterfragt und reflektiert.

    Genau deshalb beschäftige ich mich oft mit meinen Gefühlen. Ich höre in mich hinein und versuche zu verstehen, was da gerade ist. Welches Gefühl sich bemerkbar macht. Woher es kommt. Und was es mir vielleicht sagen möchte.

    Wenn man mich fragt, wie es mir geht, kann ich das manchmal gar nicht so einfach beantworten. Dann versuche ich zuerst herauszufinden, welches Gefühl in mir gerade am stärksten ist. Denn zwischen “gut” und “schlecht” gibt es doch noch so viel mehr.

    Manchmal fühle ich mich wie ein Schwamm, der alles aufsaugt. Stimmungen, Eindrücke, Begegnungen und Gefühle. Und manchmal wird es dann schwierig, all das zu sortieren und einzuordnen.

    Das klingt jetzt wahrscheinlich dramatischer, als es tatsächlich ist. Ich glaube nämlich, dass ich von Natur aus ein fröhlicher Mensch bin. Ich lache gerne, mache gerne Blödsinn und geniesse das Leben.

    Mir fällt einfach auf, dass dieses Bedürfnis zu spüren, zu reflektieren und Dinge einzuordnen hier besonders präsent ist. Wahrscheinlich, weil ich in Amsterdam viel Zeit mit mir selbst verbringe. Und weil ich mich in einer Lebensphase befinde, in der vieles neu ist.

    Mit den richtigen Menschen und/oder in den richtigen Momenten kann ich mich vollkommen fallen lassen. Dann geniesse ich einfach das Hier und Jetzt. Ich habe die Menschen um mich herum lieb und wünsche mir manchmal, die Zeit würde für einen Augenblick stehen bleiben und diese Momente würden ewig dauern.

    Ich weiss auch, dass nicht jedes Gefühl analysiert werden muss. Nicht jeder Gedanke braucht eine Erklärung. Nicht alles muss sofort verstanden werden.

    Es geht also nicht darum, mit dem Spüren und Hinterfragen aufzuhören. Es geht darum, eine Balance zu finden. Zwischen Selbstreflexion und Leichtigkeit. Zwischen Nachdenken und Erleben. Zwischen Festhalten und Loslassen.

    Aber heute ist irgendwie einfach wieder so ein Tag.
    So ein Tag, an dem ich leise bin.

    ******************

    about me being dramatic

    Dear Diary

    Today is one of those days again.
    One of those days when I’m quiet.

    A day when I feel vulnerable and sentimental. When even the smallest things could get to me.

    Perhaps my blog posts are a bit more heavier to read on days like this (sorry).

    I’ve always been a melancholic person. Thoughtful. Sensitive and emotional. Someone who questions and reflects a lot.

    That’s exactly why I often think about my feelings. I listen to my inner voice and try to understand what’s going on right now. What kind of feeling is there. Where does it come from. And what it might be trying to tell me.

    When someone asks me how I’m doing, I sometimes find it hard to answer straight away. I try first to work out which feeling is strongest inside me at that moment. Because there’s so much more between just ‘good’ and ‘bad’.

    Sometimes I feel like a sponge that soaks everything up: moods, impressions, experiences and feelings. And sometimes it becomes difficult to sort through and make sense of it all.

    That probably sounds more dramatic than it actually is. I actually believe that I’m a cheerful person by nature. I like to laugh, I like to mess about and I enjoy life.

    I’ve just noticed that this need to feel, reflect and make sense of things is particularly strong here. Probably because I spend a lot of time on my own in Amsterdam. And because I’m at a stage in my life where so much is new.

    With the right people and/or at the right moments, I can let myself go completely. Then I simply enjoy the here and now. I love the people around me and sometimes wish that time would stand still for a moment and that these moments would last forever.

    I also know that not every feeling needs to be analysed. Not every thought needs an explanation. Not everything has to be understood straight away.

    So it’s not about stopping feeling and questioning. It’s about finding a balance. Between self-reflection and light-heartedness. Between thinking and experiencing. Between holding on and letting go.

    But today is, somehow, just one of those days again.
    One of those days when I’m quiet.

  • 20.06.2026 – über Sommer und Fussball

    ***English below***

    Liebes Tagebuch

    Es ist heiss.
    Der Sommer hat auch Amsterdam erreicht.
    Satte 34 Grad bringen die Menschen zum Schwitzen.

    Ich sitze in einem Café. Mit einem Kaffee. Kein Cappuccino, schliesslich ist bereits Nachmittag.

    Zwei Häuser weiter befindet sich ein Fitnessstudio. Ständig laufen Menschen in Sportkleidung an mir vorbei. Manche kommen gerade vom Training, andere sind auf dem Weg dorthin. Wobei man bei diesen Temperaturen nicht immer genau einschätzen kann, wer kommt und wer geht. Ich habe mir eigentlich vorgenommen, heute einen Rest Day einzulegen. Aber je länger ich hier sitze und je mehr verschwitzte, motivierte Menschen an mir vorbeiziehen, desto grösser wird die Versuchung, doch noch meine Sportsachen anzuziehen und mitzuschwitzen.

    Neben mir sitzt eine Familie. Mutter, Vater, Kind.
    Mutter und Vater schauen ihren kleinen Sohn an, als hätten sie das niedlichste Wesen erschaffen, das jemals diese Erde betreten hat.
    Ich sehe noch etwas Entwicklungspotenzial.
    Aber keine Sorge, Sam. Das kommt noch.

    Es wirkt auf mich, als wäre der Sommer genau der Moment, auf den alle NiederländerInnen die restlichen neun oder zehn Monate des Jahres gewartet haben. Die Stimmung auf den Strassen ist fröhlich, ausgelassen und irgendwie leichter. Die Terrassen sind voll, die Parks ebenfalls. Überall sitzen Menschen in der Sonne, trinken etwas, lachen, unterhalten sich und geniessen jede einzelne Minute.

    Die Fussball-WM trägt natürlich ihren Teil dazu bei.
    Wie wir die HolländerInnen inzwischen kennen, sind sie ausgesprochen talentiert darin, zu feiern, zu tanzen und Bier zu trinken. Die Pints sind während der WM vielerorts günstiger, und dieses Angebot wird selbstverständlich nicht ignoriert.
    Gebt es zu: In eurem Instagram-Feed ist auch schon dieser “Naar links! Naar rechts!”-Tanz aufgetaucht.
    Herrlich.

    Hopp Schwiiz. Hup Holland.

    Die Bars und Restaurants haben sich passend zur WM herausgeputzt. Überall hängen orange Fähnchen, Banner, Holland-Flaggen, Lichterketten und Schilder mit der Aufschrift “WK-wedstrijd“. Die NiederländerInnen verstehen es einfach, aus einem Ereignis ein Fest zu machen. Man spürt, dass sie jeden Anlass nutzen, um gemeinsam etwas zu feiern.

    Erstaunlicherweise ist es hier bis fast 23 Uhr hell, und bereits gegen 5.20 Uhr geht die Sonne wieder auf. Das liebe ich. Es gibt mir das Gefühl, dass die Tage länger sind und mehr Platz für alle Carpe-diem-Dinge bieten.

    Meiner Meinung nach müsste ich sowieso nie schlafen, wenn ich entscheiden dürfte. Dann hätte man doppelt so viel Lebenszeit. Man könnte doppelt so viel unternehmen, ausprobieren, erleben und entdecken. Doppelt so viele Gespräche führen, doppelt so viele Erinnerungen sammeln und doppelt so viele Geschichten schreiben.

    Ja gut, von mir aus dürfen diejenigen schlafen, die das möchten.
    Es wäre also optional.
    Beruhigt euch wieder.

    Im Moment bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als heute Abend trotzdem ins Bett zu gehen.

    Und jetzt entschuldigt mich. Ich muss weiter verschwitzte Leute beobachten und Sam anlächeln.

    *********************

    about summer and football

    Dear Diary

    It’s hot.
    Summer has reached Amsterdam too. 
    34 degrees is making people sweat.

    I’m sitting in a café. With a coffee. Not a cappuccino, after all, it’s already afternoon. 

    Two doors down there’s a gym. People in sportswear are constantly walking past me. Some have just finished their workout, others are on their way there. Although, in this heat, it’s not always easy to tell who’s coming and who’s going. I’d actually planned to take a rest day today. But the longer I sit here and the more sweaty, motivated people pass by, the greater the temptation to put on my gym gear after all and join in the sweat.

    A family is sitting next to me. Mum, dad, child.
    Mum and dad are looking at their little son as if they’d created the cutest little creature to ever set foot on this earth.
    I can still see some room for improvement.
    But don’t worry, Sam. It’ll come in time.

    It seems to me as summer is exactly the moment that all Dutch people have been waiting for throughout the remaining nine or ten months of the year. The atmosphere on the streets is cheerful and somehow lighter. The terraces are full, as are the parks. Everywhere, people are sitting in the sun, having a drink, laughing, chatting and enjoying every single minute.

    The World Cup is, of course, playing its part.
    As we know by now, the Dutch are exceptionally talented when it comes to partying, dancing and drinking beer. Pints are cheaper in many places during the World Cup, and naturally, this offer isn’t being ignored.
    Admit it: that ‘Naar links! Naar rechts!’ dance has already popped up on your Instagram feed too.
    Wonderful.

    Hopp Schwiz. Hup Holland.

    The bars and restaurants have decked themselves out in style for the World Cup. Everywhere you look, there are orange pennants, banners, Dutch flags, fairy lights and signs with the words ‘WK-wedstrijd’. The Dutch simply know how to turn any event into a celebration. You can sense that they seize every opportunity to celebrate together.

    Surprisingly, it stays light here until almost 11 pm, and the sun rises again as early as 5.20 am. I love that. It makes me feel as though the days are longer and offer more scope for all those ‘carpe diem’ moments.

    In my opinion, if it were up to me, I’d never have to sleep anyway. Then you’d have twice as much time to live. You could do, experience and discover twice as much. Have twice as many conversations, collect twice as many memories and write twice as many stories.

    Well, fine, as far as I’m concerned, those who want to sleep can do so.
    So it would be optional.
    Calm down, everyone.

    At the moment, I suppose I’ve got no choice but to go to bed tonight after all.

    And now, if you’ll excuse me. I’ve got to carry on watching sweaty people and smiling at Sam.

  • 12.06.2026 – FAQ

    ***English below***

    Liebes Tagebuch

    Es ist Freitagabend (es stellt sich heraus, dass das mein Lieblingstag zum Schreiben ist) und ich beantworte heute ein paar Frequently Asked Questions, die ich von Freunden aus der Schweiz und aus Amsterdam erhalten habe.

    Let’s go.

    Wie geht’s dir in den Niederlanden?
    Es geht mir gut. Ich erlebe viele Aufs und Abs. Es ist nicht einfach, alleine in einer neuen Stadt und einem neuen Land zu leben. Der Anfang ist meistens hart und schonungslos. Manchmal fahre ich zur Arbeit und kann mein Glück kaum fassen. Und am Abend fahre ich nach Hause und könnte einfach nur heulen. Trotzdem bin ich nach wie vor sehr glücklich, hier zu sein. Ich entdecke gerne Neues, ich mag es, inkognito zu sein, und ich liebe es, dieses Leben hier zu erforschen. Also ja. Es geht mir gut.

    Was hat dich bisher am meisten überrascht?
    Ich glaube, wie einfach es war, mich hier anzumelden, versichert zu werden und bleiben zu dürfen. Und immer wieder bin ich positiv überrascht, wie freundlich, gesprächig und herzlich die Menschen hier sind. Die HolländerInnen sind einfach ein geiles Völkchen.

    Welches Getränk wünschst du dir in der Schweiz, gibt es aber nur in den Niederlanden?
    Alle Zero-Getränke! In den Niederlanden gibt es praktisch jedes Getränk auch als Zero-Version. Überall. In der Schweiz findet man die meisten Zero-Getränke nur in den grossen Coop- oder Migros-Filialen. Hier gibt es sie an jeder Ecke und in einer riesigen Auswahl. Bringt das in die Schweiz!

    Wie gehst du mit der Einsamkeit um?
    Ich habe keine spezielle Art, damit umzugehen.
    Manchmal ist die Einsamkeit da und ich kann sie gut annehmen und einfach mit ihr sein. Manchmal muss ich mich ablenken, weil ich sie nicht ertragen kann. Dann gehe ich zu 90% zum Sport. Oder ich gehe spazieren, schreibe Blog oder Tagebuch oder mache das, was vermutlich viele Frauen tun, wenn sie frustriert sind: Ich gehe shoppen. Und dann gibt es die Momente, in denen ich die Einsamkeit spüren muss. Wenn ich sie weder wegschieben noch mich ablenken möchte. Dann will ich einfach traurig sein. Dann dröhne ich mich mit Nothing Compares 2 U von Sinéad O’Connor oder Someone Like You von Adele zu und verbrauche umweltunfreundliche 23 Kilogramm Nastücher.
    Mir war aber bewusst, dass ich diese Einsamkeit erleben würde, wenn ich alleine in ein neues Land ziehe. Und das ist okay.

    Lieber Frühling oder Sommer in Amsterdam?
    Hmm …
    Grundsätzlich bin ich ein totaler Frühlingsfan. Das ist meine Lieblingsjahreszeit. Die Vögel beginnen zu zwitschern, alles fängt an zu blühen, die Welt wird wieder bunt, die Menschen kaufen Blumen und die Cafés füllen die vom Winter kalten und leeren Strassen wieder mit Leben. Das fühlt sich für mich immer irgendwie nach einem Neustart an und alles scheint möglich zu sein. Ich liebe dieses Gefühl. Ausserdem mag ich die Mode im Frühling. Dr. Martens sind genauso okay wie Sneakers. Mal eine Jeansjacke, gemütliche Pullis, Westen über T-Shirts oder Jeans mit Löchern… Im Sommer kann man ja fast nichts tragen ausser Shorts und T-Shirt. In allem anderen schwitze ich mir die Kleider nass.

    Aber nun zur Frage:
    Da das Klima in Amsterdam ein bisschen kühler ist als in der Schweiz und die Menschen hier das Leben im Sommer umso mehr feiern, Festivals stattfinden und man bis spätabends draussen sitzen und plaudern kann, kann ich mich fast nicht entscheiden…
    Trotz allem würde ich wohl Sommer sagen.
    Einfach wegen dem Vibe.

    Gibt es etwas aus der Schweiz, das du vermisst?
    KÄSE!
    Käse vermisse ich.
    Und meine Freunde. Meine Familie. Mein CrossFit. Meine Lieblingsmenschen. Die Vertrautheit und die Nähe.

    Was hast du über dich selbst gelernt?
    Ich glaube, darauf habe ich noch keine abschliessende Antwort, weil ich immer noch dabei bin, Neues über mich zu lernen.
    Ich habe gelernt, dass ich vor meinen Gefühlen und Problemen nicht wegrennen kann. Ich lerne zu spüren, was ich wirklich will, und darauf zu hören. Ich lerne, fliessender Englisch zu sprechen. Ich lerne, mich auf Neues einzulassen und zu Situationen Ja zu sagen, die mir Angst machen. Ich lerne, in einem unbekannten Land zu funktionieren. Und ich habe noch lange nicht ausgelernt.

    Wie unterscheidet sich das Leben in Amsterdam vom Leben in Basel?
    Ich würde sagen, die Menschen hier sind etwas freier von Stigmata. Man wird weniger eingestuft oder in Schubladen gesteckt. Man kann mehr sein, wie man sein möchte. Die Akzeptanz gegenüber Diversität ist grösser. Und das schafft ein Freiheitsgefühl. Und eine Sympathie, die ich schon immer für diese Stadt hatte. Zudem wirken die Möglichkeiten hier beinahe grenzenlos. Es gibt mehr Cafés, Bars, Restaurants, Treffpunkte, Kunst, Museen, Konzerte und Einkaufsmöglichkeiten. Und alles hat auch am Sonntag geöffnet. Ich weiss, dass Menschen dahinterstehen, die arbeiten müssen. Aber dass der Sonntag hier wie ein zweiter Samstag ist, gibt mir persönlich sehr viel. In der Schweiz ist der Sonntag für mich oft ein bisschen ein toter Tag. Alle warten darauf, dass Montag wird, und bereiten sich auf die Arbeitswoche vor. Hier kann ich alles, was ich am Samstag machen möchte, auch am Sonntag machen. Und das bedeutet mir viel.

    Welcher Moment war bisher dein persönliches Highlight?
    Der Zuspruch von neuen Bekanntschaften und Menschen hier. Dass man mich bei der Arbeit feiert. Dass ich gefragt werde, ob ich mitkommen möchte. Dass ich eingeladen werde. Dass man mir sagt, ich sei jederzeit willkommen und könne mich immer melden, wenn ich einsam bin. Die Momente mit neuen Freunden. Die Momente, in denen mich meine “alten” Freunde besuchen kommen. Die Momente, in denen ich mein Glück nicht fassen kann, in Amsterdam zu wohnen. Die Momente auf dem Fahrrad durch die Stadt, wenn meine Lieblingsmusik läuft und ich grinsen muss, weil ich nicht glauben kann, dass ich hier wirklich wohne.
    Das! Alles.

    War es die richtige Entscheidung, nach Amsterdam zu ziehen? Würdest du es wieder tun?
    Ja!
    Sofort.
    Unbedingt.

    Wer sind deine liebsten männlichen Freunde aka Spikeball-Kinoabend-Freunde?
    Natürlich Oshri und Sean.
    Danke, dass ihr mich in euer Leben miteinbezieht.


    ***************************

    FAQ

    Dear Diary

    It’s Friday evening (it turns out this is my favourite day for writing) and today I’m answering a few frequently asked questions I’ve received from friends in Switzerland and Amsterdam.

    Let’s go.

    How are you getting on in the Netherlands?
    I’m doing fine. I’m going through a lot of ups and downs. It’s not easy living on your own in a new city and a new country. The start is usually tough and unforgiving. Sometimes I go to work and can hardly believe my luck. And in the evening I go home and just feel like crying. But I’m still very happy to be here. I enjoy discovering new things, I like being incognito, and I love exploring life here. So yes. I’m doing well.

    What has surprised you the most so far?
    I think it’s how easy it was to register here, get insurance and be allowed to stay. And time and again I’m pleasantly surprised by how friendly, chatty and warm the people here are. The Dutch are just a brilliant bunch of people.

    What drink do you wish you could have in Switzerland, but which is only available in the Netherlands?
    All the zero-calorie drinks! In the Netherlands, practically every drink is available in a zero-calorie version. Everywhere. In Switzerland, you can only find most zero-calorie drinks in the big Coop or Migros branches. Here, they’re on every corner and there’s a huge selection. Bring them to Switzerland!

    How do you cope with loneliness?
    I don’t have any particular way of dealing with it. Sometimes loneliness is there and I can accept it and just be with it. Sometimes I have to distract myself because I can’t bear it. Then 90% of the time I go to the gym. Or I go for a walk, write a blog or diary, or do what I suppose many women do when they’re frustrated: I go shopping. And then there are the moments when I need to feel the loneliness. When I don’t want to push it away or distract myself. Then I just want to be sad. Then I blast Nothing Compares 2 U by Sinead O’Connor or Someone Like You by Adele and go through an environmentally unfriendly 23 kilograms of tissues.
    But I was aware that I would experience this loneliness if I moved to a new country on my own. And that’s okay.

    Spring or summer in Amsterdam?
    Hmm… Basically, I’m a huge fan of spring. It’s my favourite time of year. The birds start chirping, everything starts to bloom, the world becomes colourful again, people buy flowers, and the cafés fill the streets, which have been cold and empty all winter, with life once more. To me, it always feels a bit like a fresh start and everything seems possible. I love that feeling. I also like spring fashion. Dr Martens are just as acceptable as sneakers. A denim jacket here and there, cosy jumpers, waistcoats over T-shirts or jeans with holes… In summer, you can hardly wear anything except shorts and a T-shirt. In anything else, I end up sweating through my clothes.

    But now to the question:
    As the climate in Amsterdam is a bit cooler than in Switzerland and people here celebrate life all the more in summer, with festivals taking place and the chance to sit outside chatting until late in the evening… I can hardly make up my mind.
    Despite everything, I’d probably say summer.
    Simply because of the vibe.

    Is there anything from Switzerland that you miss?
    CHEESE!
    I miss cheese.
    And my friends. My family. My CrossFit. My favourite people. The familiarity and closeness. 

    What have you learnt about yourself?
    I don’t think I have a definitive answer to that yet, because I’m still learning new things about myself. 
    I’ve learnt that I can’t run away from my feelings and problems. I’m learning to sense what I really want and to listen to it. I’m learning to speak English more fluently. I’m learning to embrace new things and to say yes to situations that scare me. I’m learning to function in an unfamiliar country. And I’ve still got a long way to go.

    How does life in Amsterdam feel different from life in Basel?
    I’d say people here are a bit less burdened by social stigmas. People are less likely to be categorised or stereotyped. You can be more of who you want to be. There’s greater acceptance of diversity. And that creates a sense of freedom. And a fondness that I’ve always had for this city. What’s more, the possibilities here seem almost limitless. There are more cafés, bars, restaurants, meeting places, art, museums, concerts and shopping opportunities. And everything’s open on Sundays too. I know there are people behind the scenes who have to work. But the fact that Sunday here is like a second Saturday means a great deal to me personally. In Switzerland, Sunday often feels a bit like a dead day to me. Everyone is waiting for Monday to come and getting ready for the working week. Here, I can do everything I want to do on Saturday on Sunday as well. And that means a lot to me.

    What has been your personal highlight so far?
    The warmth shown by new friendships and people here. The fact that people like me at work. That I’m asked if I’d like to join them. That I’m invited out. That people tell me I’m always welcome and can always get in touch if I’m feeling lonely. The moments spent with new friends. The moments when my ‘old’ friends come to visit me. The moments when I can’t believe my luck at living in Amsterdam. The moments cycling through the city with my favourite music playing, when I have to smile because I can’t believe I really live here.
    That! Everything. 

    Was it the right decision to move to Amsterdam? Would you do it again?
    Yes!
    Absolutely.

    Who are your favourite male friends, aka your spikeball and film night mates? Oshri and Sean, of course.
    Thanks for letting me be part of your lives.

  • 01.06.2026 – 3 months!

    ***English below***

    Liebes Tagebuch

    Bereits drei Monate sind vergangen, seit ich mich ins Auto gesetzt und mich mit Sack und Pack ins Abenteuer Amsterdam gestürzt habe. Irgendwie fühlt es sich länger an als nur drei Monate. Aber ich glaube, das liegt daran, dass in dieser Zeit sooo unglaublich viel passiert ist. Die Wohnung, die Arbeit, das Land, die Menschen, aber auch die Gefühle, die ich durchlaufe, und die Erfahrungen, die ich sammle. Alles ist neu. Alles muss und will verarbeitet werden.

    Gerade komme ich von einer Woche Heimat zurück. Ich habe Lieblingsmenschen getroffen, meine zuckersüsse Nichte kennengelernt und wundervolle Stunden geniessen dürfen, die ich so schnell nicht vergessen werde.

    Ich habe in dieser Zeit wieder realisiert, wie glücklich ich mich schätzen kann, wundervolle Menschen in meinem Leben zu haben.

    Es gibt Menschen, die einem begegnen, und man weiss von der ersten Sekunde an, dass man sie mag. Menschen, die einen berühren. Die einem nah sind. Die ähnlich sind. Die mit einer Selbstverständlichkeit Zeit schenken und den Alltag vielleicht mehr bereichern, als ihnen überhaupt bewusst ist.

    Bei diesen Menschen fällt so mancher Abschied schwerer.

    Es fühlt sich falsch an. So, als wäre man noch nicht bereit dazu.

    Während der Alltag zurückkehrt, hängt ein Teil des Herzens noch an Orten, Gesprächen und Momenten, die man eigentlich noch nicht loslassen wollte. An Begegnungen, bei denen man beim Wegfahren nicht nur dankbar ist, sondern auch traurig.

    Aber ich weiss auch, dass Nähe nicht nur von Kilometern abhängt. Dass Menschen einen begleiten können, selbst wenn sie weit weg sind. Dass Erinnerungen verankert sind. Dass gemeinsame Erlebnisse ihren Platz finden und nicht einfach verschwinden, nur weil man wieder in ein Flugzeug steigt oder eine Landesgrenze überquert.

    Und ich bin mir sicher, dass die Menschen, die zu einem gehören, bleiben. Dass sie Teil unserer Geschichte sind. Teil meiner Geschichte. Meiner Geschichte in Amsterdam.

    Ich warte hier noch auf vieles. Auf Grosses. Auf all das, was heute noch unbekannt ist und morgen vielleicht zu den schönsten Erinnerungen gehört.

    Da ist dieses Freiheitsgefühl in mir. Diese Stimme, die mich zuversichtlich stimmt. Dieses Vertrauen, dass ich genau dort sein soll, wo ich gerade bin.

    Darum trage ich meine Menschen im Herzen mit und stürze mich in den nächsten Monat. Mal sehen, was der Juni für mich bereithält. Neue Geschichten, schöne Überraschungen und hoffentlich ganz viel “Sunneschiin”.

    ****************

    3 months!

    Dear Diary

    Three months have already passed since I got into the car and set off on my Amsterdam adventure with all my belongings. Somehow it feels longer than just three months. But I think that’s because sooo much has happened during this time. The apartment, the job, the country, the people, but also the emotions I’m going through and the experiences I’m gaining. Everything is new. Everything needs to be – and wants to be – processed.

    I’ve just come back from a week at home. I met my favourite people, got to know my sweet little niece and enjoyed some wonderful moments that I won’t forget in a while.

    During this time, I realised once again how lucky I am to have such wonderful people in my life.

    There are people you meet and you know from the very first moment that you like them. People who touch your heart. Who are close to you. Who are similar to you. Who share their time so naturally and add more to our lives than they could ever know.

    Saying goodbye to these people is hard.

    It feels wrong. As if you’re not quite ready for it yet.

    As everyday life returns, a part of your heart still holds on to places, conversations and moments that you didn’t really want to let go of. To experiences that make you feel not only grateful but also sad as you drive away.

    But I also know that closeness isn’t just a matter of distance. That people can be with you, even when they’re far away. That memories are deeply rooted. That shared experiences find their place and don’t simply vanish just because you board a plane or cross a border.

    And I’m certain that the people who belong to you stay with you. That they’re part of our story. Part of my story. My story in Amsterdam.

    I’m still waiting for so much here. For something big. For everything that’s still unknown today and might become one of my fondest memories tomorrow.

    There is this sense of freedom within me. This voice that fills me with confidence. This trust that I am exactly where I am meant to be.

    That is why I carry my loved ones in my heart and throw myself into the coming month. Let’s see what June has in store for me. New stories, lovely surprises and, hopefully, plenty of sunshine.

  • 20.05.2026 – über die eigene Identität

    ***English below***

    Liebes Tagebuch

    Wenn man so in einem neuen Land ist und niemanden kennt, kann man sich einfach eine neue Identität aufbauen. Man kann ganz anders sein als zuvor, wenn man das möchte. Ich könnte plötzlich sagen, dass ich mich vegan ernähre, dass ich Trump supporte, dass ich ein totaler Sportmuffel bin und alle würden mir glauben, dass das so ist oder schon immer so war. Das ist irgendwie aufregend, nicht?

    Natürlich möchte ich mir hier keine Rolle aneignen, die ich nicht bin. Eher das Gegenteil. Zu Hause lebt man in einem Schema, in einem Raster, in einer Lebensweise und in einem Umfeld, das man sich über Jahre aufgebaut hat. Das soll nichts Negatives sein. Wir alle haben uns einen bestimmten Charakter angeeignet, für den uns unsere Freunde und Familien lieben.

    Aber hier habe ich mir vorgenommen, total offen und ehrlich zu sein. Mit allem. Ich möchte sagen, was ich fühle, mitteilen, was ich denke und meine Meinung offen vertreten. Und ich glaube, dass Amsterdam ein Pflaster ist, das das zulässt.

    Und damit meine ich zum Beispiel: Wenn ich auf eine anzunehmende Verpflichtung keine Lust habe, dann mache ich das nicht. Wenn ich anderer Meinung bin, dann sage ich das. Wenn es um persönliche Erfahrungen geht, die ich gesammelt habe, oder um Ängste und Gefühle in mir, dann teile ich diese mit. Ich teile mich mit, ich frage nach, ich bin mutig genug, meinem Herzen zu folgen und sage auch, wie ich mich dabei fühle.

    Ich möchte damit nicht sagen, dass ich das zu Hause nicht gemacht habe. Aber sicher in einem gewissen Masse vorsichtiger.

    Bei solchen Gedanken kommen plötzlich Fragen auf, die ich mir bereits vor 20 Jahren gestellt habe. Wie möchte ich denn eigentlich sein? Was finde ich wirklich gut und worauf habe ich wirklich Bock?

    Manchmal ist es wichtig, sich solche Fragen zu stellen und sich Zeit für diese Gedanken zu nehmen. Damit wir nicht einfach nur funktionieren, sondern wirklich spüren, ob sich unser Leben nach uns anfühlt. Ob das, was wir tagein, tagaus tun, wirklich zu unseren tiefsten Wünschen passt. Ob wir ehrlich zu uns selber sind.

    Erfahrungen sind immer in der Vergangenheit. Vorstellungen sind immer in der Zukunft. Wir alle leben im Hier und Jetzt. Damit wir unsere innerste und tiefste Identität ausleben, müssen wir Entscheidungen treffen, die sich heute gut anfühlen. Also los. Teilen wir mit, wenn uns etwas stört, sagen wir ehrlich, was wir fühlen und seien wir mutig genug, unserem Herzen zu folgen.

    Wenn wir das tun, dann kommt am Ende alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.

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    About your own identity

    Dear Diary

    When you’re in a new country and don’t know anyone, you can simply create a new identity for yourself. You can be completely different from how you were before. If you want to. I could suddenly say that I’m vegan, that I support Trump, that I’m a total couch potato, and everyone would believe me – that this is how it is, or always has been. It’s kind of exciting, isn’t it?

    Of course, I don’t want to take on a role here that isn’t me. Quite the opposite, in fact. Back home, you live within a pattern, a framework, a way of life and an environment that you’ve built up over the years. That’s not meant to be a bad thing. We’ve all developed a certain character that our friends and families love us for.

    But here, I’ve decided to be completely open and honest. About everything. I want to say what I feel, share what I think, and openly express my views. And I believe that Amsterdam is a place that allows for that.

    And by that I mean, for example: if I don’t feel like taking on a particular commitment, then I won’t do it. If I disagree, then I’ll say so. When it comes to personal experiences I’ve had, or fears and feelings I have inside me, I share them. I open up, I ask questions, I’m brave enough to follow my heart and I also say how I feel about it.

    I’m not saying I didn’t do that at home. But certainly a bit more cautiously.

    Thoughts like these suddenly bring up questions I asked myself 20 years ago. Who do I actually want to be? What do I really enjoy, and what am I really keen to do?

    Sometimes it’s important to ask ourselves these questions and take time to reflect on them. So that we don’t just function, but truly feel whether our lives feel like our own. Whether what we do day in, day out really aligns with our deepest desires. Whether we are being honest with ourselves.

    Experiences are always in the past. Visions are always in the future. We all live now. To live out our innermost and deepest identity, we must make decisions that feel right today. So let’s go. Let’s speak up when something bothers us, let’s be honest about what we feel, and let’s be brave enough to follow our hearts.

    If we do that, everything will be alright in the end. And if it’s not alright, then it’s not the end.