Category: my amsterdam diary

  • 16.05.2026 – über die ganze Administration

    ***English below***

    Liebes Tagebuch

    Heute wird der Inhalt administrativer Natur sein. Sorry, falls dich das nicht interessiert. Aber du bist auch nur eine Maschine. Ein Mittel zum Zweck. Eigentlich ist mir wurscht, wie du das findest.

    Vielleicht noch vorab etwas Unadministratives: Ich sitze in meinem Stammkaffee und trinke einen frischen Ingwer-/Minzetee. Der heisst nicht nur so, der ist auch wirklich frisch. Das ist nicht einfach ein Teebeutel, wie man ihn meistens in der Schweiz erhält und dafür gefühlt den Preis einer ganzen Minzplantage bezahlt, nein. Hier bekommt man tatsächlich riesige Ingwerstücke und frische Minzblätter im heissen Wasser, dazu Honig. Herrlich. Und zu jedem Getränk gibt es immer noch einen Keks, ein “Schöggeli” oder irgendetwas Süsses dazu. Suuuupeerrrrr finden wir das.

    So, und um jetzt mal noch festzuhalten, was ich alles unternehmen musste, um hier zu sein, liste ich ein paar administrative Insider-Infos auf.

    • Job: Natürlich habe ich als Erstes einen Job gesucht. In Amsterdam läuft das meiste über LinkedIn. Dank vor allem einer Person im Talent Acquisition Team habe ich mich bei meinem jetzigen Arbeitgeber sofort wohl und gut aufgehoben gefühlt. Und wenn man Glück hat (so wie ich), werden aus solchen Kollegen wundervolle Freundschaften.
    • Wohnung AMS: Das war der zweite Punkt auf meiner To-do-Liste. Der schwierigste. Die Wohnsituation in Amsterdam ist eine Katastrophe. Zumindest für diejenigen, die eine Wohnung suchen. Die Nachfrage ist viel höher als das Angebot und aufgrund der vielen Studenten und Expats gibt es extrem viele temporäre Wohnungsangebote. Auch meine Wohnung ist vorerst auf sechs Monate befristet. Es gibt unglaublich viele Immobilienfirmen, bei denen man sich für die Wohnungssuche registrieren (und bezahlen) kann, aber die Ausbeute ist nicht wirklich befriedigend. Ich hatte Glück: Ein Arbeitskollege eines Freundes ist genau zu dem Zeitpunkt aus- wie ich eingewandert bin. So konnte ich seine süsse Wohnung übernehmen.
    • Wohnung BSL: Meine geliebte Wohnung im Gundeli hat ein wundervoller und zuverlässiger Bierbrauer-Freund übernommen. Kleine Werbung an dieser Stelle: Das Landskroner ist 1A.
    • Hausrat- und Haftpflichtversicherung: Grossartigerweise können diese beiden Versicherungen je nach Anbieter für eine gewisse Zeit auch im Ausland weiterlaufen. In meinem Fall musste ich nichts unternehmen. Yay.
    • Pensionskasse: Da man nur mit einem Schweizer Arbeitgeber in die Pensionskasse einzahlen kann, musste ich meine PK-Gelder auf ein Freizügigkeitskonto überweisen. Ich habe mich für VIAC entschieden. Dort bleibt das Geld, bis ich wieder in die Schweiz zurückkehre oder eine neue Lösung brauche.
    • AHV: Da ich die Schweiz verlassen habe, bin ich grundsätzlich nicht mehr obligatorisch AHV-versichert. Für das aktuelle Jahr habe ich meine Beiträge aber trotzdem geleistet, da ich im Januar und Februar noch in Basel gearbeitet habe. Das Risiko einer Beitragslücke weniger!
    • Krankenkasse: Schon bei diesem Wort läuft es mir kalt den Rücken runter. Alles hat wunderbar geklappt. Ausser natürlich… mit der Krankenkasse. Dort wurden meine Nerven strapaziert.
      Grundsätzlich gilt: Wer im EU-/EFTA-Raum arbeitet und dort obligatorisch krankenversichert ist, kann die Schweizer Grund- sowie Zusatzversicherungen sistieren. Da sich die Niederlande, wie wir alle wissen, im EU-/EFTA-Raum befinden, habe ich mich dort innerhalb von zehn Minuten versichert. Anscheinend konnte SWICA meinen Arbeitsvertrag nicht als Arbeitsvertrag identifizieren (hier würden ein paar Fluchwörter folgen) und es gab mehrere Missverständnisse und Behauptungen. Dazu kam ein Kommunikationsfehler bezüglich des Zeitpunkts meines Sistierungsantrags für die Zusatzversicherung.
      Auf jeden Fall hätte ich gemäss SWICA CHF 770 pro Monat weiterzahlen müssen. Siebehundertsibzig Frangge!! Das sind über CHF 9’000 im Jahr (und CHF 200 mehr als ich sonst monatlich bezahlt habe). Nach eeeeeinigen Mails, Rückfragen und meinem leicht erhitzten Gemüt meinerseits (ja, das ist massiv untertrieben), wurde am Ende aber doch alles geklärt und ich habe mir 10k gespart. Viel Drama also. Danke SWICA. Wirklich. Und Gratulation. Ihr seid jetzt auf derselben Liste wie IKEA. Und das ist nichts Gutes. Ich bin während dieses Dramas vermutlich um mehrere Jahre gealtert und werde diese zusätzlichen Krankenversicherungskosten später wohl noch verursachen.
    • Steuern: Grundsätzlich zahlt man Steuern dort, wo man arbeitet und seinen steuerlichen Wohnsitz hat. In meinem Fall also in den Niederlanden. Dank der sogenannten 30%-Regelung für Expats wird ein Teil meines Einkommens steuerlich begünstigt (whoop). Ohne diese Regelung würde ich hier noch mehr Steuern bezahlen. Diese werden monatlich direkt vom Lohn abgezogen.

    Bei Unsicherheiten und Fragen wenden Sie sich bitte an Ihren Finanz- und Steuerberater. Falls Sie keinen haben, hier ein Shoutout an Fabio Annen, Props gehen an ihn.

    **********************

    About the entire administration

    Dear Diary

    Today’s entry will be of an administrative nature. Sorry if that doesn’t interest you. But you’re just a machine, after all. A tool for the job . Actually, I don’t really care what you think of it.

    Perhaps something non-administrative to start with: I’m sitting in my base café, drinking a fresh ginger and mint tea. It’s not just called that – it really is fresh. It’s not just a tea bag, like the ones you usually get in Switzerland where you feel like you’re paying the price of an entire mint plantation, no. Here you actually get huge chunks of ginger and fresh mint leaves in hot water, with honey. Lovely. And with every drink, you still get a biscuit, a piece of chocolate or something sweet to go with it. We think that’s suuuuperrrrr.

    So, just to note down everything I had to do to get here, I’ll list a few bits of administrative insider info.

    • Job: Naturally, the first thing I did was look for a job. In Amsterdam, most of this happens via LinkedIn. Thanks mainly to one person in the Talent Acquisition Team, I immediately felt at home and in good hands with my current employer. And if you’re lucky (like I was), colleagues like that turn into wonderful friends.
    • Flat in AMS: That was the second item on my to-do list. The hardest one. The housing situation in Amsterdam is a disaster. At least for those looking for a flat. Because of the large number of students and expats, there are an awful lot of temporary accommodation options. My flat is also on a six-month fixed-term lease for now. There are an incredible number of estate agents where you can register (and pay) to look for a flat, but the results aren’t really satisfactory. I was lucky: a work colleague of a friend moved out just as I planned to moved in. So I was able to take over his lovely flat.
    • Flat in BSL: My beloved flat in Gundeli has been taken over by a wonderful and reliable brewer-friend. A quick plug here: the Landskroner is delicious.
    • Household and liability insurance: Thankfully, depending on the provider, these two policies can continue to run abroad for a certain period. In my case, I didn’t have to do a thing. Yay.
    • Pension fund: As you can only make contributions to a pension fund through a Swiss employer, I had to transfer my pension fund assets to a vested benefits account. I chose VIAC. The money will remain there until I return to Switzerland or need a new solution.
    • AHV: As I have left Switzerland, I am no longer automatically covered by AHV. However, I have still paid my contributions for the current year, as I was still working in Basel in January and February. One less risk of a contribution gap!
    • Health insurance: Just hearing that word sends a shiver down my spine. Everything went wonderfully. Except, of course… with the health insurance. That really tested my nerves.
      The basic rule is: anyone working in the EU/EFTA area who is compulsorily insured for health insurance there can suspend their Swiss basic and supplementary insurance. As the Netherlands, as we all know, is part of the EU/EFTA area, I was able to cover there within ten minutes. Apparently, SWICA couldn’t identify my employment contract as such (this is where a few swear words would go), and there were several misunderstandings and claims. On top of that, there was a communication error regarding the timing of my application to suspend my supplementary insurance.
      In any case, according to SWICA, I would have had to keep paying CHF 770 a month. Seven hundred and seventy francs!! That’s over CHF 9,000 a year and CHF 200 more than I was paying each month. After a looooot of emails, follow-ups and me getting a bit worked up (yes, that’s a massive understatement), everything was sorted out in the end and I saved myself 10k. So, quite a drama. Thanks, SWICA. Really. And congratulations. You’re now on the same list as IKEA. And that’s not a good thing. I’ve probably aged several years during this drama and will likely end up incurring these additional health insurance costs later on.
    • Taxes: Basically, you pay taxes where you work and where you’re resident for tax purposes. In my case, that’s in the Netherlands. Thanks to the so-called 30% rule for expats, part of my income is tax-advantaged (whoop). Without this rule, I’d be paying even more tax here. These are deducted directly from my salary each month.

    If you have any doubts or questions, please contact your financial and tax adviser. If you don’t have one, here’s a shout-out to Fabio Annen – kudos to him.

  • 08.05.2026 – A tribute to the cyclists

    ***English below***

    Liebes Tagebuch

    Heute bin ich wie immer von der Arbeit mit dem Fahrrad nach Hause geradelt.

    Dabei ist mir mal wieder aufgefallen, wie chaotisch und doch reguliert hier herumgefahren wird.

    Die Regeln sind, dass es keine gibt. Und irgendwie doch…

    Der Vortritt wird zwar beachtet, aber man schneidet zentimeterdicht hinter der vorderen Person um die Kurve. So, dass man jedes Mal kurz das Gefühl hat, man müsste das Hinterrad einziehen, damit der andere nicht in einen reinfährt.

    Manchmal ist man zu zwanzigst in einer Spureinreihung und wartet, bis es grün wird. Das läuft dann nicht so wie in der Schweiz, wo man sich vornehm hintereinander einreiht. Ne. Man zwängt sich in die kleinste Lücke. Rechts, links, dazwischen, davor, einfach in jeden Zentimeter, in dem man noch ein Plätzchen findet. Und das ist total okay. Man wird hier nicht komisch angeschaut, wenn man sich vor andere stellt.

    Wenn man abbiegen möchte, wird das immer angezeigt.
    Zumindest meistens. Oder… manchmal. Ja, immer wieder.
    Wenn es aber angezeigt wird, kann das auch nur mit den kleinsten Körperbewegungen passieren. Manchmal hebt man nur kurz den Zeigefinger von der Hand am Lenker an, um anzudeuten, dass man übrigens bei der nächsten Abzweigung rechts abbiegt. Und selbst diese kleinsten Bewegungen werden wahrgenommen und berücksichtigt.

    Bei so vielen Fahrradfahrer:innen fühlt man sich manchmal wie beim Start eines Marathons. Nicht, dass ich das schon mal erlebt hätte, aber so stelle ich es mir vor. Körper an Körper und in der Menge irgendwie einen freien Weg auf dem Pflasterstein suchend. So ist es hier. Fahrrad an Fahrrad. Ellbogen neben Lenkstange. Vorderrad nach Hinterrad. Dass ich hier noch keinen Unfall gesehen habe, grenzt an ein Wunder. Die Menschen haben sich eine Fähigkeit angeeignet, die Chaos und Geschick irgendwie zusammenbringt. Die haben Reflexe wie eine Katze auf der Pirsch.

    Daneben habe ich erfahren, wie krass streng die Polizei hier gleichzeitig ist. Ich sehe Menschen freihändig Fahrrad fahren, durch eine Gasse voller Fussgänger:innen, die jede Sekunde vors Fahrrad laufen könnten. Aber die sind gelassen wie Oma beim Stricken auf der Couch.

    Dann fährt man natürlich nicht nur alleine. Ne, ne. Zu zweit oder zu dritt, manchmal sogar zu viert. Was die Asiaten auf Mopeds schaffen, kriegen die Niederländer:innen auf dem Fahrrad hin. Zirkusreif sitzt eine zweite Person auf der Lenkstange, verkehrt herum auf der Vorderseite des Fahrrads oder die Kinder stehen auf dem Rücksitz, mit den Händen auf den Schultern von Papa. Das alles ist erlaubt.

    ABER wenn man durch eine Fussgängerzone fährt, wird man mit EUR 190 bestraft. JA! 190! So habe ich auch geschaut, als ich das gehört habe. Und wenn man während dem Fahren eine Sprachnachricht verschickt, kostet dich das EUR 170. Aber kein Problem, wenn man gefühlt ein Klavier freihändig auf den Schultern transportiert.

    Zudem wird hier auch jedes Fahrrad gefahren, das sich irgendwie noch bewegt. Eine Acht im Rad, klappernde Schutzbleche, krumme Lenker, alles wird genommen und benutzt. Männer fahren Damenvelos, Damen fahren Herrenfahrräder. Es gibt keine Schubladisierung und Reglementierung. Die Niederländer:innen fahren so divers und selbstverständlich Fahrrad, wie wir morgens eine Unterhose anziehen. Zumindest mache ich das.

    Ein herrlich (gefährliches) und unterhaltsames Schauspiel, das ich tagtäglich erleben darf.

    Wenn ich mich also mal mehr als 20 Tage nicht melde, liege ich wohl mit einem Schlüsselbeinbruch im Spital, weil ich von einem Holländer mit Kind auf den Schultern und Hund im Gepäckträger umgefahren wurde.

    In dem Sinne: Mögen meine Schweizer Reflexe reichen oder zumindest mein Schlüsselbein stabil bleiben.

    ******************

    A tribute to the cyclists

    Dear Diary

    Today, as usual, I cycled home from work.

    Once again, I noticed how chaotic, yet somehow orderly, the cycling is around here.

    The rules are that there aren’t any. And yet, there are…

    People do give way, but they cut in just centimetres behind the person in front as they round the bend. It’s so close that you briefly feel you have to pull your back wheel in to stop the other person from crashing into you.

    Sometimes there are twenty of us queuing up in a single lane, waiting for the lights to turn green. It doesn’t work like it does in Switzerland, where people queue up politely one behind the other. No. People squeeze into the tiniest gap. Right, left, in between, in front – simply into every centimetre where they can find a spot. And that’s totally fine. People here don’t give you a strange look if you cut in front of others.

    If you want to turn, you always signal it.
    At least most of the time. Or… sometimes. Yes, quite often.
    But when you signal it, it can be even the slightest body movement. Sometimes you just briefly lift a single finger while holding the handlebars to indicate that you’re turning right at the next junction. And even these tiny movements are detected and taken into account.

    With so many cyclists around, it sometimes feels like the start of a marathon. Not that I’ve ever experienced that myself, but that’s how I imagine it. Body to body, somehow trying to find a clear path through the crowd. That’s what it’s like here. Bike to bike. Elbows next to handlebars. Front wheel in front of rear wheel. It’s a miracle that I haven’t seen a single accident here yet. People have developed a talent that somehow brings chaos and skill together. They have reflexes like a cat on the prowl.

    I’ve also discovered just how incredibly strict the police are here. I see people cycling hands-free through an alley full of pedestrians who could step out in front of the bike at any moment. But they’re as calm as granny knitting on the sofa.

    Of course, you don’t just ride alone. No, no. In pairs or threes, sometimes even fours. What Asians manage on mopeds, the Dutch manage on bikes. You sit on the handlebars like a circus act, the second person the other way round on the front of the bike, or the children stand on the back seat, with their hands on Dad’s shoulders. All of this is allowed.

    BUT if you cycle through a pedestrian zone, you’ll be fined €190. YES! 190! That’s exactly how I looked when I heard that. And if you send a voice message whilst cycling, it’ll set you back €170. But it’s no problem if you’re carrying a piano on your shoulders without using your hands.

    People here ride any bike that still moves in any way. A bent wheel, rattling mudguards, crooked handlebars – anything goes. Men ride ladies’ bikes, women ride men’s bikes. There’s no labelling or regulation. The Dutch ride bikes as diversely and naturally as we put on our underwear in the morning. At least, that’s what I do.

    A wonderfully (dangerous) and entertaining spectacle that I get to experience every single day.

    So if I don’t get in touch for more than 20 days, I’ll probably be in hospital with a broken collarbone, having been knocked over by a Dutchman with a child on his shoulders and a dog in the luggage rack.

    With that in mind: may my Swiss reflexes hold up, or at least may my collarbone stay intact.

  • 30.04.2026 – 2 months!

    ***English below***

    Liebes Tagebuch

    Ich habe mich länger nicht mehr gemeldet. Äxgüsi, das Leben kam dazwischen.

    Aber! Es steht ein Jubiläum an.

    2 Monate Amsterdam. 2 Monate in meinem neuen Job. 2 Monate in meiner neuen Wohnung und in meinem Viertel. Seit 2 Monaten entdecke ich mein neues Leben, meine neue Umgebung und sammle Erfahrungen und Erlebnisse, die für immer bleiben.

    Die Gefühle, die ich erlebe, sind… sie sind… puh… ja, sie sind.

    Sie sind viel. Sie sind laut. Sie sind unterschiedlich. Und sie sind intensiv.

    Und trotz der Ups und Downs und obwohl mein Härzli manchmal etwas schwer ist, finde ich es nach wie vor grossartig. Ich feiere Amsterdam. Und ich feiere das Leben.

    Ich fühle mich manchmal, als wäre ich nochmals 25 und würde hier ein Auslandsjahr im Studium machen, auf der Suche nach mir selbst. Klassiker.

    Apropos jung fühlen: Am Sonntagabend wurde ich spontan eingeladen, an die Kingsnight zu gehen. Obwohl ich von einem grossartigen Party-Wochenende total müde war, konnte ich nicht ablehnen, schliesslich sage ich zu allem “Ja”. Wir waren in einer Open-Air-Bar mit DJ, direkt an einer Gracht, und haben draussen getanzt und gefeiert. Es war toll.

    Am Montag war dann Kingsday. DER Tag im Jahr der Niederländer:innen. Und was für einer. Ich wurde von einer tollen Gruppe mitgenommen und habe mich von Anfang an pudelwohl gefühlt. Wir sind orangefarben durch die Gassen geschlendert, von Bar zu Bar gehoppt, haben getanzt, beobachtet, gelacht und mit der ganzen Stadt gefeiert. Die Stimmung war herrlich.

    Und ja, ich gebe es zu: Nach diesem Wochenende habe ich mich nicht mehr sooo jung gefühlt. Am Dienstag war ich einfach nur müde. Aber es hat sich gelohnt. Alles.

    Ich habe das Gefühl, dass ich langsam meine “Termine” mit Freunden hier habe. Mein Kalender füllt sich immer mehr mit neuen Treffen und Events. Und das tut mir unglaublich gut. Ich bin ein Mensch, der Menschen um sich braucht, und es braucht einiges, bis meine Social Battery leer ist. Darum wird es jetzt eher Zeit, sie wieder aufzuladen.

    Jetzt werde ich bald abgeholt und freue mich riesig auf ein gemütliches z’Mörgele mit meinen grossartigen Freunden, die mich übers Wochenende aus der Schweiz besuchen kommen. Das Wetter ist herrlich, Amsterdam wird immer grüner, die Temperaturen steigen und ich habe das Gefühl, ich werde immer glücklicher.

    ********************

    2 months!

    Dear Diary

    I haven’t written for a while. Sorry about that – life got in the way.

    But! I’ve got an anniversary coming up.

    Two months in Amsterdam. Two months in my new job. Two months in my new flat and in my neighbourhood. For the past two months, I’ve been discovering my new life and my new surroundings, and gathering experiences and memories that will stay with me forever.

    The feelings I’m experiencing are… they’re… phew… well, they are.

    There are so many of them. They’re loud. They’re varied. And they’re intense.

    And despite the ups and downs, and even though my heart feels a bit heavy at times, I still think it’s great to be here. I’m celebrating Amsterdam. And I’m celebrating life.

    Sometimes I feel as though I’m 25 again, spending a year abroad as a student, searching for myself. Classic.

    Speaking of feeling young: on Sunday evening, I was spontaneously invited to go to King’s Night. Although I was absolutely knackered from a brilliant party weekend, I couldn’t say no – after all, I say ‘yes’ to everything. We were at an open-air bar with a DJ, right by a canal, and we danced and partied outside. It was brilliant.

    Monday was King’s Day. THE day of the year for the Dutch. And what a day it was. I was taken in by an awesome group and felt completely comfortable and welcome from the very start. We strolled through the streets decked out in orange, hopped from bar to bar, danced, watched the world go by, laughed and celebrated with the whole city. The atmosphere was wonderful.

    And yes, I’ll admit it: after this weekend, I didn’t feel quite so young anymore. On Tuesday, I was just plain tired. But it was worth it. Every bit of it.

    I feel like I’m slowly getting into the swing of things with friends here. My calendar is filling up more and more with new meet-ups and events. And that means a lot to me. I’m the sort of person who needs people around me, and it takes quite a lot before my social battery runs flat. So now it’s about time to recharge it.

    I’m about to be picked up soon and I’m really looking forward to a cosy breakfast with my wonderful friends, who are visiting me from Switzerland for the weekend. The weather is lovely, Amsterdam is getting greener by the day, the temperatures are rising and I have the feeling I’m getting happier and happier.

  • 19.04.2026 – über Limiten und Ortschaften

    ***English below***

    Liebes Tagebuch

    Am Freitag hatte ich ein wundervolles Hot-Pot-Abendessen mit wundervollen Menschen. Da nicht nur der Pot heiss lief, sondern auch der Wein und der Schnaps (ich bin mir ziemlich sicher, dass es Schnaps war), fand es mein Kopf am Samstag gar nicht mal so wundervoll. Vielleicht liegt meine Alkohollimite aufgrund des tiefen Meeresspiegels hier einfach auch tiefer.

    An diesem Abend habe ich übrigens erneut die Bestätigung erhalten, dass ich nicht die Einzige bin, die findet, dass niederländischer Käse einfach immer nach Gouda schmeckt. In anderen Variationen, aber am Ende doch immer Gouda.
    Wenn ich also das nächste Mal in der Schweiz bin, decke ich mich ein. Mit richtig gutem Käse.

    Ansonsten gibt es aber wenig, was ich aus der Schweiz vermisse. Ausser natürlich meine Lieblingsmenschen. Kulinarisch kann ich mich hier wirklich nicht beklagen. Im Gegenteil – ich habe das Gefühl, die Supermärkte bieten mehr als Migros und Coop zu Hause.

    Heute Morgen war ich dann wieder vollständig regeneriert und ging ins Gym. Ich bin jedes Mal erstaunt, wie voll es dort immer ist. Gefühlt zu jeder Tageszeit. Selbst an einem Sonntagmorgen um 09.30 Uhr muss man sich den Platz an einem Rack fast schon erkämpfen. Anscheinend kennen die Leute hier ihre Alkohollimite besser als ich. Oder es gibt hier ein geheimes Katermittelchen. Das muss ich noch rausfinden.

    Übrigens ist mir aufgefallen, dass gefühlt 99% der Niederländerinnen nur im Sport-BH(chen) trainieren. Ich fühle mich daneben immer ein bisschen winterlich overdressed. Ich frage mich ernsthaft, was die im Hochsommer machen…

    Auf jeden Fall wollte ich mal faktenbasiert festhalten, wo ich mich hier in meinem kleinen Amsterdam-Leben so bewege:

    Alles befindet sich innerhalb von 10–15 Minuten.
    Liebe ich.

    Das macht mein Leben spontan. Keine grossen Planereien.
    Ich habe sowieso alles um die Ecke.

    Und jetzt mache ich mir etwas zu essen und werfe mich mit einem Buch auf die Couch.
    Ciao Sonntag.
    Ciao Wochenende.

    Das nächste kommt bald.
    Und wird wieder feuchtfröhlich.

    Fortsetzung folgt…

    **********************

    About limits and locations

    Dear Diary

    On Friday I had a wonderful hotpot dinner with wonderful people. As it wasn’t just the pot that was hot, but also the wine and the schnapps (I’m pretty sure it was schnapps), my head didn’t find it quite so wonderful on Saturday. Perhaps my alcohol tolerance is simply lower here due to the low sea level.

    By the way, that evening I received further confirmation that I’m not the only one who thinks Dutch cheese always tastes of Gouda. In different variations, but always Gouda. So next time I’m in Switzerland, I’ll stock up. On really good cheese.

    Otherwise, there’s not much I miss about Switzerland. Except, of course, my favourite people. When it comes to food, I really can’t complain here. I feel the supermarkets offer even more than the Migros and Coops back home.

    This morning I was fully recharged again and went to the gym. I’m always surprized at how busy it is there. It feels like that at all times of the day. Even on a Sunday morning at 9.30 am, you almost have to fight for a spot at a weight rack. Apparently, people here know their alcohol limits better than I do. Or perhaps there’s a secret hangover cure here. I’ll have to find that out. 

    By the way, I’ve noticed that it feels like 99% of Dutch women only work out in a (really small) sports bra. I always feel a bit overdressed next to them. I seriously wonder what they do in the height of summer…

    In any case, I wanted to set down some facts about where I tend to go in my little Amsterdam life:

    Everything’s within 10–15 minutes.
    I love it.

    It makes my life spontaneous. No need for lots of planning.
    Everything’s just around the corner anyway.

    And now I’m going to make myself something to eat and flop onto the sofa with a book.
    Bye-bye, Sunday.
    Bye-bye, weekend.

    The next one’s coming soon.
    And it’ll be another boozy one.

    To be continued…

  • 16.04.2026 – etwas Schweres

    ***English below***

    Liebes Tagebuch

    Heute liegt etwas Schweres in mir. 

    Ich merke, wie oft meine Gedanken noch zurückgehen.  

    Ich denke zurück
    an die Nähe, 
    an die Wärme,
    an ein Herz, das sich sicher angefühlt hat. 

    Und jetzt ist da diese Lücke.
    Immer noch laut. 
    Und spürbar. 

    Ich weiss, dass Loslassen richtig ist. 
    Aber das macht es nicht leichter. 

    Die Gedanken kommen trotzdem.
    Und die Gefühle auch. 

    Und irgendwo dazwischen muss Heilung passieren.
    Und Klarheit entstehen.
    Langsam. 

    Heute liegt etwas Schweres in mir.

    *********************

    something heavy

    Dear Diary

    Today, there’s a heavy weight inside me. 

    I realise how often my thoughts still drift back. 

    I think back 
    to the closeness, 
    to the warmth, 
    to a heart that felt safe. 

    And now there’s this emptiness. 
    Still loud. 
    And present. 

    I know, that letting go is the right thing to do. 
    But that doesn’t make it any easier. 

    The thoughts come anyway. 
    And the feelings too. 

    And somewhere in between, healing must take place. 
    And clarity must emerge.
    Slowly. 

    Today, there’s a heaviness inside me.

  • 10.04.2026 – über Comfortzonen

    ***English below***

    Liebes Tagebuch

    Ich sitze in meiner Lieblingsbar um die Ecke. Bar Bukowski. Jede:r sollte bei Gelegenheit mal hierherkommen. Sie ist nicht ultra besonders, aber irgendwie ist der Vibe hier echt nice.

    Die Bar befindet sich direkt an einer Kreuzung. Total ungemütlich, wenn man’s genau nimmt. Und trotzdem stört das überhaupt nicht. Ich bin mir sicher, dass alle, die vorbeifahren, denken: „Au ja, das wär’s jetzt!“ So geht’s mir auf jeden Fall jedes Mal. Also… täglich. Weil ich da immer vorbeifahre.

    Ich habe den besten Platz erwischt. Ganz aussen, dort, wo die Abendsonne nochmal hinscheint und alles ein bisschen schöner und wärmer werden lässt. Yay.

    Ich sitze hier mit meinem Tagebuch, meinem Buch, meinem MacBook (einfach 3x “Buch”), meiner Musik und meinem alkoholfreien Bier (schliesslich will ich die Gains vom heutigen Training nicht zerstören. Hätte ich einen Personal Coach, wäre dieser stolz auf mich). Langsam steige ich ins Wochenend-Feeling ein.

    Neben mir sind die Tische voll mit Gruppen, Freunden, Dates, Menschen, die sich unterhalten und lachen. Es kommt jedes Mal ein bisschen Neid auf das Geplapper und Gelächter auf. Da verschwinde ich ein bisschen in einer Nebenrolle. Mit der passenden Musik auf den Ohren bin ich in meiner eigenen Welt und habe das Gefühl, ein bisschen unsichtbar zu sein.

    Ich beschäftige mich mit Schreiben. Ein bisschen mit Insta. Ein bisschen mit offenen Nachrichten. Und den Rest beobachte ich einfach.

    Es ist ein gutes Gefühl, hier zu sein. Am Leben teilzunehmen. Gleichzeitig kostet es mich jedes Mal etwas Überwindung, loszulaufen und mich alleine hin zu setzen. Dort, wo das soziale Treiben stattfindet. Wo man alleine immer ein bisschen Aussenseiter:in ist.

    Die Alternative wären meine vier Wände zu Hause. Ohne Sonne. Ohne Bierchen an der frischen Luft. Ohne das Treiben, das ich beobachten kann.

    Das hier fühlt sich nach mehr Leben an.

    Und nach einer Weile gehe ich zufrieden und mit einer inneren Ruhe nach Hause.

    Ich komme wieder.

    Bar Bukowski. Das Ende meiner Comfortzone.

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    About comfort zones

    Dear Diary

    I’m sitting in my favorite bar just round the corner. Bar Bukowski. Everyone should pop in here if they get the chance. There’s nothing really special about it, but somehow the vibe here is totally nice.

    The bar is right on a crossroads. Totally uncomfortable, if you think about it. And yet it doesn’t bother me at all. I’m sure everyone who drives past thinks: “Oh yes, this. Right now!” Well, that’s how I feel every single time. So… every day. Because I always drive past there.

    I’ve got the best spot. Right at the edge, where the evening sun reaches the tables and makes everything a bit nicer and warmer. Yay.

    I’m sitting here with my diary, my book, my MacBook, my music and my non-alcoholic beer (after all, I don’t want to ruin the gains from today’s workout. My personal coach would be proud. If I’d had one) and I’m slowly getting into the weekend mood.

    Next to me, the tables are full of groups, friends, couples on dates – people chatting and laughing. I can’t help but feel a touch of envy at all the chatter and laughter. It makes me fade into the background a bit. With the right music in my ears, I’m in my own world and feel a bit invisible. 

    I keep myself busy writing. A bit on Insta. A bit on open messages. And the rest I just observe.

    It feels good to be here. To be part of life. At the same time, it takes a bit of effort every time to go out and sit here on my own. Right where the social buzz is happening. Where, on your own, you’re always a bit of an outsider.

    The alternative would be the four walls of my home. Without sunshine. Without a beer in the fresh air. Without the hustle and bustle that I can watch.

    This feels like more life.

    And after a while, I go home feeling content and calm. More at one with myself.

    I’ll be back. 

    Bar Bukowski. The edge of my comfort zone.

  • 05.04.2026 – 10/10

    ***English below***

    Liebes Tagebuch

    Ich mache mir immer wieder viele Gedanken über das Leben und über die Zeit. Über meine Einstellung dazu. Darüber, was ich mir wünsche und was ich erwarte.

    Eines meiner Lebensziele war schon immer, im Alter nicht zurückzuschauen und etwas zu bereuen. Und genau danach versuche ich zu leben und meine Entscheidungen zu treffen. Deshalb fällt mir genau das auch oft schwer. Weil ich immer den perfekten Weg wählen möchte. Den perfekten Ort. Den perfekten Moment. Um später nichts zu bereuen.

    Ich habe diesen Anspruch in mir, dass sich mein Leben wie eine 10 von 10 anfühlen soll. Dass ich 100% glücklich bin. Nicht 70. Nicht 80. 100! „The time of my life“ soll nicht nur eine Phase sein, sondern ein Gefühl, das ich immer in mir trage.

    Natürlich ist das nicht jede Minute realistisch. Dafür ist das Leben zu echt, zu roh, zu unberechenbar. Es gibt schwierige, verletzende und herausfordernde Phasen, die sich nicht wegdiskutieren lassen. Aber wenn ich das ausblende, möchte ich wirklich voll und ganz zufrieden sein. Und wenn ich es nicht bin, dann möchte ich ehrlich genug zu mir sein können, das zu erkennen, und mutig genug, etwas zu verändern.

    Wenn ich an meinem Geburtstag die Kerzen ausblase und man mir sagt, dass ich mir etwas wünschen darf, wünsche ich mir immer dasselbe: Ich wünsche mir, glücklich zu sein. Denn für mich ist das, neben der Gesundheit, das Wichtigste im Leben.

    Als ich mit 18 mein erstes Tattoo gemacht habe, haben meine Eltern gesagt, ich solle mir das gut überlegen, weil ich noch nicht wirklich verstehe, was Zeit bedeutet. Und sie hatten recht. Damals hatte ich das Gefühl, ich hätte alle Zeit der Welt. Als wäre alles unendlich. Als wäre ich irgendwie unantastbar.

    Heute sehe ich das anders. Heute habe ich grossen Respekt vor der Zeit. Vor allem davor, wie schnell sie vergeht. Und wenn ich ehrlich bin: Ich mag das überhaupt gar nicht. Der Gedanke, dass ich mit nur der Hälfte meines bisherigen Lebens bereits 60 bin, löst in mir Wehmut und auch Angst aus. Angst, dass das Leben vorbeigeht und ich vielleicht irgendwann vorsichtiger werde. Ängstlicher. Vielleicht auch bequemer. Und gleichzeitig ist genau das auch eine Motivation, immer 100% zu wollen.

    Ich liebe das Leben. Und ich möchte es voll und ganz auskosten. Ich möchte nicht, dass die Zeit einfach an mir vorbeizieht. Dafür habe ich noch so viel vor. So viel, das ich fühlen, erleben und ausprobieren möchte.

    Wenn ich ältere, gebrechliche Menschen sehe, relativieren sich viele meiner Sorgen oftmals. Ich denke dann daran, wie endlich das Leben ist, und sage mir: Scheiss doch auf das Problem. Sei glücklich. Geniesse alles. Lass es dir gut gehen. Und gleichzeitig frage ich mich, ob sie auf ihr Leben zurückblicken und da dieser leise Gedanke ist, dass sie an gewissen Stellen anders hätten entscheiden können. Mehr für sich. Mehr fürs Leben.

    Der Weg ist für mich das Ziel. Wie in der Geschichte vom Fischer und dem Geschäftsmann, die zeigt, dass es sich nicht lohnt, die schönen Dinge auf später zu verschieben, sondern sie jetzt zu leben.

    Ich möchte später sagen können: Mein Leben? Das war richtig geil.

    Also:

    Sage Ja.
    Auch wenn du unsicher bist.
    Tu es trotzdem.

    Mach die Dinge, die dich glücklich machen.
    Nicht für andere, sondern für dich.

    Sei gut zu den Menschen um dich herum.
    Schenke ihnen ein gutes Gefühl.

    Lächle.
    Lache laut.

    Lass dich auf Neues ein.
    Probiere aus.

    Mach es jetzt.

    Auf das Leben.

    **********************

    Dear diary

    I find myself thinking a lot about life and time. About my attitude towards them. About what I hope for and what I expect.

    One of my life goals has always been not to look back in old age and have any regrets. And that is exactly how I try to live and make my decisions. That is precisely why I often find it difficult to make decisions in the first place. Because I always want to choose the perfect path. The perfect place. The perfect moment. So that I have no regrets later on.

    I have this expectation within me that my life should feel like a 10 out of 10. That I should be 100% happy. Not 70. Not 80. 100! “The time of my life” shouldn’t just be a phase, but a feeling that I always carry within me.

    Of course, that’s not realistic every single minute. Life is too real, too raw, too unpredictable for that. There are difficult, hurtful and challenging phases that can’t be talked away. But if I put that aside, I really want to be completely content. And if I’m not, then I want to be honest enough with myself to recognise it, and brave enough to make a change.

    When I blow out the candles on my birthday and someone tells me I can make a wish, I always wish for the same thing: I wish to be happy. Because for me, apart from good health, that is the most important thing in life.

    When I got my first tattoo at 18, my parents told me to think it through properly, because I didn’t really understand what time meant yet. And they were right. Back then, I felt as though I had all the time in the world. As if everything were infinite. As if I were somehow untouchable.

    Today I see things differently. Today I have great respect for time. Above all, for how quickly it passes. And if I’m honest: I don’t like that at all. The thought that halfway through my life I’d already be 60 fills me with both melancholy and also with fear. Fear that life is slipping away and that I might eventually become more cautious. More anxious. Perhaps even more complacent. And at the same time, that is precisely what motivates me to feel 100% happy.

    I love life. And I want to savour it to the full. I don’t want time to simply pass me by. I still have so much I want to do. So much I want to feel, experience and try out.

    When I see older, frail people, many of my worries often put things into perspective. I then think about how finite life is, and tell myself: to hell with the problem. Be happy. Enjoy everything. Have a good time. And at the same time, I wonder whether they look back on their lives and have that quiet thought that they could have made different decisions at certain points. More for themselves. More for life.

    For me, the journey is the destination. Just like in the story of the fisherman and the businessman, which shows that it’s not worth putting off the good things until later, but rather living them now.

    I want to be able to say later: My life? That was fucking brilliant.

    So:

    Say yes.
    Even if you’re unsure.
    Do it anyway.

    Do the things that make you happy.
    Not for others, but for yourself.

    Be kind to the people around you.
    Make them feel good.

    Smile.
    Laugh out loud.

    Be open to new things.
    Give things a go.

    Do it now.

    Here’s to life.

  • 03.04.2026 – über’s Zurückkommen, Weiterarbeiten und Älterwerden

    ***English below***

    Liebes Tagebuch

    Ich bin zu Hause.

    Zumindest für ein paar Tage. Über Ostern. Und von nun an muss ich wohl definieren, was „zu Hause“ bedeutet.

    Ich bin gestern nach Basel geflogen und freue mich riesig, meine Freunde und Familie in die Arme nehmen zu können und zu hören, was ich (nicht) verpasst habe.

    Bereits gestern durfte ich einen meiner liebsten Freundeskreise wiedersehen und eine wundervolle Zeit geniessen, geprägt von Lachen, tiefen Gesprächen und diesem vertrauten Gefühl, das man nicht erklären kann, aber sofort wieder erkennt.

    Im Übrigen darf ich erzählen, dass ich die Probezeit bestanden habe und mein Arbeitgeber mich jetzt für mindestens ein Jahr an der Backe hat. Solange ich nicht im Büro kokse oder Geld veruntreue, müssen sie mich behalten, haben sie mir gesagt. Das ist beruhigend zu wissen. Die Risiken sind natürlich total real.

    Letzten Sonntag hatte ich Geburtstag (nachträgliche Gratulationen werden gerne und immer entgegengenommen). Es war speziell, nicht im vertrauten Umfeld zu „trauern“ (ja, dieses Wort war Absicht). Aber dank eines Besuchs aus der Heimat, Anrufen und unzählig vielen Nachrichten habe ich mich trotzdem sehr geliebt gefühlt. Eine meiner besten Freundinnen, die mich besuchen kam, und ich haben mit 32 Cocktails in meinen Geburtstag hineingefeiert und sind ca. 6 Stunden später wieder in derselben Bar zum Frühstück aufgetaucht. Ja. Die Bar ist geil! Am Nachmittag schlenderte ich über einen wundervollen Markt mit viel Selbstgemachtem, Selbstgebasteltem, Leckereien, Köstlichkeiten, Traditionellem und vielen Kaffee-, Bier- und Weinständen zum Geniessen. Am Abend habe ich mich dann selber bei Freunden in Alkmaar eingeladen. Sonst wäre ich doch ein bizzeli sentimental geworden.

    Ich habe von jemandem den Tipp bekommen, dass ich in meiner Ankunftszeit immer zu allem „Ja“ sagen soll (dies soll sich nicht auf Koks oder Veruntreuung beziehen). Auch wenn ich vielleicht unsicher bin, Zweifel habe oder keine Lust verspüre: Wenn mich jemand zu etwas einlädt, sage ich Ja. Wenn ich eine Werbung für eine Kunstausstellung sehe: Ja. Es ist irgendwo ein Markt: Ja. Damit öffne ich mich, meinen Horizont und die Möglichkeit, Wundervolles zu erleben. Und das gefällt mir, das nehme ich mir zu Herzen.

    Ich habe nun auch ein Abo bei einem Gym gelöst, die Abfallsteuer ist bezahlt und bei den nächsten Wahlen darf ich mit abstimmen. Ich bin also eine richtige Amsterdamerin.

    Es geht also weiter. Es geht weiter mit neuen Bars, neuen Cafés, neuen Märkten, neuen Rechnungen und hoffentlich vielen neuen Erlebnissen. Es bleibt spannend. Es bleibt Amsterdam.

    About returning, work and growing older

    Dear Diary

    I’m home.

    At least for a few days. Over Easter. And from now on, I suppose I’ll have to define what ‘home’ means.

    I flew to Basel yesterday and I’m absolutely thrilled to be able to hug my friends and family and hear what I’ve (not) missed.

    Just yesterday, I got to see one of my favourite groups of friends again and enjoy a wonderful time, filled with laughter, deep conversations and that familiar feeling you can’t explain but recognise straight away.

    By the way, I’m pleased to say I’ve passed my probationary period and they’re stuck with me for at least a year now. They told me that as long as I don’t snort coke in the office or embezzle money, they have to keep me on. It’s comforting to know that. The risks are, of course, very real.

    Last Sunday was my birthday (belated birthday wishes are always welcome). It felt strange not to be ‘mourning’ (yes, that word was intentional) in familiar surroundings. But thanks to a visit from home, phone calls and countless messages, I still felt very loved. One of my best friends, who came to visit me, and I kicked off my birthday with 32 cocktails and turned up back at the same bar for breakfast about six hours later. Yes. The bar is brilliant! In the afternoon, I strolled through a wonderful market with lots of homemade and handcrafted goods, treats, delicacies, traditional items and plenty of coffee, beer and wine stalls to enjoy. In the evening, I invited myself over to some friends’ place in Alkmaar. Otherwise, I might have got a bit sentimental.

    Someone gave me the tip that, when I first arrive somewhere, I should always say ‘yes’ to everything (this doesn’t apply to cocaine or embezzlement). Even if I’m feeling unsure, have doubts or just don’t feel like it: if someone invites me to do something, I say yes. If I see something about an art exhibition: yes. There’s a market somewhere: yes. This opens me up, broadens my horizons and creates the opportunity to experience wonderful things. And I like that; I’m taking it to heart.

    I’ve now signed up for a gym membership, paid my waste collection tax, and I’ll be able to vote in the next elections. So I’m a proper Amsterdammer now.

    So life goes on. It goes on with new bars, new cafés, new markets, new bills and, hopefully, lots of new experiences. It remains exciting. It remains Amsterdam.

  • 26.03.2026 – 1 month!

    *** English below***

    Liebes Tagebuch

    Ich möchte schreiben. Wirklich. Aber die Muse sitzt irgendwo anders heute und das macht mir einen Strich durch die Rechnung. Apropos Rechnung: Von der Gemeinde Amsterdam habe ich heute eine Steuerrechnung erhalten…?! Whuuut? Willkommen im echten Leben, nehme ich an.

    Einen Monat.

    Auf den Tag genau einen Monat bin ich nun hier. Da braucht es doch irgendein wichtiges, bedeutendes und emotionales Resümee?

    • Fröhlichkeit. Nervosität. Bedenken. Hoffnung. Einsamkeit. Melancholie. Glück. Erinnerung. Verletzlichkeit. Heilung. Vorfreude. Freiheit. Alles war und ist dabei. Manchmal gleichzeitig, manchmal im Wechsel.
    • Ich bereue nichts. Kein bisschen.
    • Ich bin zufrieden. Und irgendwo tief in mir ist da immer noch diese Ruhe, dass alles genau so richtig ist.
    • Es berührt mich, wie viele Menschen meinen Blog und meine Gedanken lesen, meine Worte verfolgen und ein Stück mit mir mitgehen. Diese stille Nähe bedeutet mir alles.
    • Jedes Wochenende kaufe ich mir Blumen. Schliesslich bin ich im Land der Tulpen.
    • Und irgendwie bin ich auch im Land vom Käse. Aber sorry, liebe Niederländer:innen: Ich habe getestet. Mehrfach. Schweizer Käse gewinnt.
    • Meine Wohnung ist fertig eingerichtet. Also zumindest so fertig, wie man sich einredet, dass sie fertig ist. Bis man wieder etwas bei IKEA bestellt.
    • In vier Wochen habe ich wettertechnisch alles erlebt. Mit dem T-Shirt in der Sonne, Wind, der mich fast vom Fahrrad haut, Regen, Hagel, Schnee… Als würde die Stadt mir ihr ganzes Repertoire zeigen wollen. Danke. Für mich reicht sonst auch Sonne.
    • Diese Momente, wenn ich aus dem Büro trete und mich mitten in den Amsterdamer Gassen befinde… Huere geil!
    • Und ja, ich gebe es zu – ein Teil von mir wächst neben den Touristen jedes Mal ein kleines bisschen. Ja Mann. Ich wohne hier!
    • Was noch fehlt, ist ein Sozialleben. Menschen, die bleiben. Gespräche, die tiefer gehen. Aber ich weiss, das braucht Zeit.

    Mein Resümee: Ich bin angekommen. Aber noch nicht fertig.

    PS: Happy Birthday, Papi!

    *****************

    Dear Diary

    I want to write. I really do. But my muse is off somewhere else today, and I just can’t seem to find her. Instead, mail found me. I’ve just received a tax bill from the City of Amsterdam…?! Whuuut? Welcome to real life, I suppose.

    One month.

    To the day, I’ve been here for exactly one month. Surely that calls for some sort of important, meaningful and emotional summary?

    • Joy. Nervousness. Doubts. Hope. Loneliness. Melancholy. Happiness. Memories. Vulnerability. Healing. Anticipation. Freedom. Everything was and is there. Sometimes all at once, sometimes in turn.
    • I regret nothing. Not one bit.
    • I’m content. And somewhere deep inside me, there’s still that sense of calm that everything is exactly as it should be.
    • It touches me how many people read my blog and my thoughts, follow my words and walk a little way with me. This quiet closeness means everything to me.
    • Every weekend I buy flowers. After all, I’m in the land of tulips, right?
    • And somehow I‘m in the land of cheese, too. But sorry, dear Dutch people: I’ve tried it. Several times. Swiss cheese wins.
    • My flat is fully furnished. Well, at least as ‘fully furnished’ as you can convince yourself it is, until you order something from IKEA again.
    • In four weeks, I’ve experienced every kind of weather. Wearing a T-shirt in the sun, wind that almost blows me off my bike, rain, hail, snow… As if the city wanted to show me its entire repertoire. Thanks. Sunshine would be enough for me. 
    • Those moments when I step out of the office and find myself right in the middle of Amsterdam’s streets. Fucking awesome!
    • And yes, I’ll admit it – a part of me grows a little bit more every time, right alongside the tourists. Yeah, man. I live here!
    • What’s still missing is a social life. People who stick around. Conversations that go deeper. But I know that takes time.

    My conclusion: I’ve settled in. But I’m not done yet.

    PS: Happy birthday, Dad!

  • 22.03.2026 – the city

    ***English below***

    Liebes Tagebuch

    Ich wohne in Amsterdam.

    Ich kann es immer noch nicht so wirklich glauben. Langsam schleicht sich ein Rhythmus ein und trotzdem fühle ich mich noch immer so, als wäre ich hier in den Ferien. Wer weiss, vielleicht habe ich Glück und dieses Gefühl geht nie ganz weg.

    Da für mich noch alles neu und unbekannt ist, bin ich sehr aufmerksam, schaue mir alles genauer an und beobachte bewusst. Die Menschen. Den Vibe. Die Stadt.

    Die Stadt mit tausend schiefen Häusern, Backsteinwänden, Grachten, Brücken und Gassen. Jede Ecke hält eine neue Überraschung bereit.

    Der Boden ist total uneben. Den Blick sollte man beim Laufen nicht aufs Handy richten, ich verspreche dir, man stolpert spätestens nach 60 Sekunden. Dank der Brücken geht der Weg immer wieder hoch und runter, nach rechts und links, nach vorne und zurück. In dieser Stadt könnte ich Schritte sammeln wie in keiner anderen.

    Kleine Gehwege, Trottoirs und Pfade verleihen dem ganzen Bild eine Verspieltheit, fast wie ein Labyrinth, in dem man sich gerne verliert. Regenbogenfarbige Fahnen, leuchtende Schriftzüge und bunte Schilder schenken der Stadt Lebendigkeit und Fröhlichkeit. Die Fassaden der Gebäude sind ein Traum, und die hohen Fenster geben Einblicke in wahnsinnig schöne Altbauwohnungen mit den steilsten Treppen, die ich je gesehen habe. Süsse Shops und Boutiquen mit Leckereien, Souvenirs und Selbstgemachtem zieren die Strassen, und die bekanntesten Shoppingmarken sind überall vertreten (yay!). Cafés und Restaurants mit Lichterketten laden zum Hinsetzen ein.

    Amsterdam ist total hübsch, charmant und einladend. Amsterdam ist aber an vielen Ecken auch ein verdammtes Shithole. Wenn es nicht Tiere sind, die den Abfall durchwühlen, dann sind es verzweifelte Menschen, die Mistkübel nach etwas Verwertbarem oder Essbarem durchsuchen. Sinnloses wird einfach auf der Strasse liegen gelassen. Abfall wird aber auch ganz bewusst auf den Boden geworfen – habe ich letztens beobachtet und schweizerisch korrekt mit dem Kopf geschüttelt. Die Idee der Entsorgung ausserhalb des Stadtzentrums mit unterirdischen Containern finde ich grossartig (aufgrund der schmalen Gassen in der Innenstadt ist dieses System für Abfalltransporter nicht möglich). Leider wird sich aber oft nicht an die Regeln gehalten und die Menschen legen, stellen und werfen alles daneben. Wahrscheinlich geht es vielen ähnlich wie mir und sie müssen gefühlt 3’376 Tonnen Karton und Sperrgut entsorgen, das nicht in die Öffnungen passt. Und weil es alle einfach neben die Container stellen, macht der träge Mensch es ihnen nach.

    Ich habe erfahren, dass die Stadt Amsterdam kein Geld für Tourismus-Marketing ausgibt. Braucht sie auch nicht. Die Touristen kommen ja. Leider meist nur aus dem Grund, um sich einen Dübel reinzuzimmern oder sich einen in die Rüstung zu römern. So bleibt Amsterdam immer ein bisschen die versiffte Kifferstadt mit einem scheinbar unlösbaren Abfallproblem.

    Und trotzdem liebe ich sie. Mit all ihren Facetten. Ich liebe es, sie weiter zu entdecken, kennenzulernen und meine Lieblingsplätze zu speichern, um immer wieder zurückzukehren. In einer Stadt, die offen für alle Menschen ist und das Leben und die freie Liebe zu feiern scheint.

    Amsterdam!

    ***********

    Dear diary

    I live in Amsterdam.

    I still can’t quite believe it. A rhythm is slowly starting to settle in, and yet I still feel like I’m on holiday. Who knows, maybe I’ll get lucky and that feeling will never fully go away.

    Because everything is still new and unfamiliar to me, I pay attention to everything, take a closer look at things, and observe consciously. The people. The vibe. The city.

    A city of a thousand crooked houses, brick walls, canals, bridges, and narrow streets. Every corner holds a new surprise.

    The ground is incredibly uneven. You really shouldn’t look at your phone while walking, I promise you’ll trip within 60 seconds. Thanks to all the bridges, the path constantly goes up and down, left and right, forward and back. In this city, I could collect steps like nowhere else.

    Small walkways, pavements, and paths give the whole picture a sense of playfulness, almost like a labyrinth you actually want to get lost in. Rainbow flags, glowing signs, and colorful displays bring life and joy to the city. The building facades are a dream, and the tall windows offer glimpses into incredibly beautiful old apartments with the steepest staircases I’ve ever seen. Cute little shops and boutiques filled with treats, souvenirs, and handmade goods line the streets, and all the major shopping brands are everywhere (yay!). Cafés and restaurants with string lights invite you to sit down and stay a while.

    Amsterdam is incredibly pretty, charming, and inviting. But in many corners, it’s also a damn shithole. If it’s not animals rummaging through the trash, it’s desperate people searching bins for anything usable or edible. Things are simply left lying around on the streets. Trash is also deliberately thrown on the ground — I witnessed it recently and, very Swiss of me, shook my head in disapproval. I actually think the waste system with underground containers outside the city center is great (given the narrow streets, regular garbage trucks wouldn’t work there anyway). Unfortunately, people often don’t follow the rules and just place, drop, or throw everything next to them. Maybe many feel the same as I do, having what feels like 3,376 tons of cardboard and bulky waste to get rid of that simply doesn’t fit into the openings. And because everyone just leaves it next to the containers, the lazy human follows suit.

    I learned that the city of Amsterdam doesn’t spend any money on tourism marketing. It doesn’t have to. Tourists come anyway. Unfortunately, often just to light one up or get completely wasted. That’s why Amsterdam always remains, at least a little, the grimy stoner city with a seemingly unsolvable waste problem.

    And yet, I love her. With all her facets. I love continuing to discover her, to get to know her, and to save my favorite spots so I can always come back. In a city that feels open to everyone and seems to celebrate life and free love.

    Amsterdam!