***English below***
Liebes Tagebuch
Ich wohne in Amsterdam.
Ich kann es immer noch nicht so wirklich glauben. Langsam schleicht sich ein Rhythmus ein und trotzdem fühle ich mich noch immer so, als wäre ich hier in den Ferien. Wer weiss, vielleicht habe ich Glück und dieses Gefühl geht nie ganz weg.
Da für mich noch alles neu und unbekannt ist, bin ich sehr aufmerksam, schaue mir alles genauer an und beobachte bewusst. Die Menschen. Den Vibe. Die Stadt.
Die Stadt mit tausend schiefen Häusern, Backsteinwänden, Grachten, Brücken und Gassen. Jede Ecke hält eine neue Überraschung bereit.
Der Boden ist total uneben. Den Blick sollte man beim Laufen nicht aufs Handy richten, ich verspreche dir, man stolpert spätestens nach 60 Sekunden. Dank der Brücken geht der Weg immer wieder hoch und runter, nach rechts und links, nach vorne und zurück. In dieser Stadt könnte ich Schritte sammeln wie in keiner anderen.
Kleine Gehwege, Trottoirs und Pfade verleihen dem ganzen Bild eine Verspieltheit, fast wie ein Labyrinth, in dem man sich gerne verliert. Regenbogenfarbige Fahnen, leuchtende Schriftzüge und bunte Schilder schenken der Stadt Lebendigkeit und Fröhlichkeit. Die Fassaden der Gebäude sind ein Traum, und die hohen Fenster geben Einblicke in wahnsinnig schöne Altbauwohnungen mit den steilsten Treppen, die ich je gesehen habe. Süsse Shops und Boutiquen mit Leckereien, Souvenirs und Selbstgemachtem zieren die Strassen, und die bekanntesten Shoppingmarken sind überall vertreten (yay!). Cafés und Restaurants mit Lichterketten laden zum Hinsetzen ein.
Amsterdam ist total hübsch, charmant und einladend. Amsterdam ist aber an vielen Ecken auch ein verdammtes Shithole. Wenn es nicht Tiere sind, die den Abfall durchwühlen, dann sind es verzweifelte Menschen, die Mistkübel nach etwas Verwertbarem oder Essbarem durchsuchen. Sinnloses wird einfach auf der Strasse liegen gelassen. Abfall wird aber auch ganz bewusst auf den Boden geworfen – habe ich letztens beobachtet und schweizerisch korrekt mit dem Kopf geschüttelt. Die Idee der Entsorgung ausserhalb des Stadtzentrums mit unterirdischen Containern finde ich grossartig (aufgrund der schmalen Gassen in der Innenstadt ist dieses System für Abfalltransporter nicht möglich). Leider wird sich aber oft nicht an die Regeln gehalten und die Menschen legen, stellen und werfen alles daneben. Wahrscheinlich geht es vielen ähnlich wie mir und sie müssen gefühlt 3’376 Tonnen Karton und Sperrgut entsorgen, das nicht in die Öffnungen passt. Und weil es alle einfach neben die Container stellen, macht der träge Mensch es ihnen nach.
Ich habe erfahren, dass die Stadt Amsterdam kein Geld für Tourismus-Marketing ausgibt. Braucht sie auch nicht. Die Touristen kommen ja. Leider meist nur aus dem Grund, um sich einen Dübel reinzuzimmern oder sich einen in die Rüstung zu römern. So bleibt Amsterdam immer ein bisschen die versiffte Kifferstadt mit einem scheinbar unlösbaren Abfallproblem.
Und trotzdem liebe ich sie. Mit all ihren Facetten. Ich liebe es, sie weiter zu entdecken, kennenzulernen und meine Lieblingsplätze zu speichern, um immer wieder zurückzukehren. In einer Stadt, die offen für alle Menschen ist und das Leben und die freie Liebe zu feiern scheint.
Amsterdam!
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Dear diary
I live in Amsterdam.
I still can’t quite believe it. A rhythm is slowly starting to settle in, and yet I still feel like I’m on holiday. Who knows, maybe I’ll get lucky and that feeling will never fully go away.
Because everything is still new and unfamiliar to me, I pay attention to everything, take a closer look at things, and observe consciously. The people. The vibe. The city.
A city of a thousand crooked houses, brick walls, canals, bridges, and narrow streets. Every corner holds a new surprise.
The ground is incredibly uneven. You really shouldn’t look at your phone while walking, I promise you’ll trip within 60 seconds. Thanks to all the bridges, the path constantly goes up and down, left and right, forward and back. In this city, I could collect steps like nowhere else.
Small walkways, pavements, and paths give the whole picture a sense of playfulness, almost like a labyrinth you actually want to get lost in. Rainbow flags, glowing signs, and colorful displays bring life and joy to the city. The building facades are a dream, and the tall windows offer glimpses into incredibly beautiful old apartments with the steepest staircases I’ve ever seen. Cute little shops and boutiques filled with treats, souvenirs, and handmade goods line the streets, and all the major shopping brands are everywhere (yay!). Cafés and restaurants with string lights invite you to sit down and stay a while.
Amsterdam is incredibly pretty, charming, and inviting. But in many corners, it’s also a damn shithole. If it’s not animals rummaging through the trash, it’s desperate people searching bins for anything usable or edible. Things are simply left lying around on the streets. Trash is also deliberately thrown on the ground — I witnessed it recently and, very Swiss of me, shook my head in disapproval. I actually think the waste system with underground containers outside the city center is great (given the narrow streets, regular garbage trucks wouldn’t work there anyway). Unfortunately, people often don’t follow the rules and just place, drop, or throw everything next to them. Maybe many feel the same as I do, having what feels like 3,376 tons of cardboard and bulky waste to get rid of that simply doesn’t fit into the openings. And because everyone just leaves it next to the containers, the lazy human follows suit.
I learned that the city of Amsterdam doesn’t spend any money on tourism marketing. It doesn’t have to. Tourists come anyway. Unfortunately, often just to light one up or get completely wasted. That’s why Amsterdam always remains, at least a little, the grimy stoner city with a seemingly unsolvable waste problem.
And yet, I love her. With all her facets. I love continuing to discover her, to get to know her, and to save my favorite spots so I can always come back. In a city that feels open to everyone and seems to celebrate life and free love.
Amsterdam!
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