20.09.2026 – über’s Tagebuchschreiben

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***English below***

Liebes Tagebuch

Im letzten Eintrag habe ich versucht, mich ein bizzeli zu beschreiben. Mich vorzustellen.

Vielleicht ist es also auch eine Idee zu erklären, warum ich dieses Tagebuch überhaupt schreibe? Da mir hier niemand widersprechen kann, mache ich das jetzt einfach:

Ich schreibe gefühlt schon seit immer Tagebuch.

Als Kind hatte ich ein wunderschönes Diddl-Tagebuch. Ich habe mich darin vor allem über meine Eltern und meine Geschwister aufgeregt. Sorry, falls ihr das irgendwann mal in die Hände bekommt. Ich liebe euch. Wirklich.

Irgendwann ging es dann um Jungs. Um Schulfreundinnen. Um all die unglaublich wichtigen Dramen, die damals die Welt bedeutet haben.

(Ich frage mich gerade, wo ich eigentlich die Schlüssel versteckt habe.)

Irgendwann wurden die Einträge tiefgründiger. Ehrlicher. Persönlicher. Ich habe mich meinen Tagebüchern immer komplett geöffnet, mit dem vielleicht etwas naiven Gedanken, dass das Geschriebene niemals jemand zu lesen bekommt, ausser ich lasse es zu.

Meine Tagebücher waren nie nur dazu da, um zu beschreiben, wie mein Tag war. Sie gaben mir die Möglichkeit, ehrlich zu mir selbst zu sein. Dinge schwarz auf weiss lesen zu können, die ich mich vielleicht nie getraut hätte auszusprechen.

Es ist für mich eine Möglichkeit, flüchtige Gedanken einzufangen, bevor sie wieder verschwinden. Gefühle zu benennen. Angst, Unsicherheit, Freude, Vermissen oder was auch immer gerade da ist, nicht einfach nur zu spüren, sondern genauer hinzuschauen.

Das kann unglaublich befreiend sein. Es kann aber auch wehtun. Wie oft sitze ich irgendwo, ja, manchmal auch in Cafés, und versuche möglichst unauffällig meine Tränen zu verstecken, damit der Kellner nicht das Gefühl bekommt, dass sein Cappuccino so schlecht ist, dass ich deswegen weine.

Ausserdem liebe ich Sprache. Ich liebe es, was ein Text, eine Beschreibung oder auch nur ein einzelner Satz in einem Menschen auslösen kann. Wie Worte Bilder erschaffen können, obwohl wir alle nur schwarze Buchstaben auf weissem Hintergrund sehen. Lyrik, Poesie, Poetry Slam. Was für eine grossartige Art, das Leben in Worte zu fassen.

Meine Tagebücher waren aber auch immer Geschichtenerzähler. Ich liebe es, auf Reisen oder in den Ferien aufzuschreiben, was ich erlebe, was ich mache und was so passiert.

Ich schreibe Geschichte. Meine Geschichte zumindest.

Und deshalb nehme ich mir dafür auch überall Zeit. Dann schnappe ich mir ein Glas Wein. Jahaaa, eine Flasche, okeeee. Meine Kopfhörer. Mein Tagebuch. Und dann setze ich mich irgendwo hin. Auf eine Terrasse, in einen Garten oder in ein Café. Und schreibe drauflos.

Physisch, versteht sich. Ich bin mit der Hand zwar nicht annähernd so schnell wie am Computer und manchmal kriege ich fast einen Krampf, aber ich mag das Gefühl von Papier und Tinte. Die Seiten, die sich langsam füllen. Das Umblättern. Und seien wir ehrlich: Es gibt einfach viel zu viele schöne Tagebücher, um sie nicht zu kaufen.

So verbinde ich beim Tagebuchschreiben irgendwie alles miteinander: meine Liebe zur Sprache, zum Schreiben und den Versuch, herauszufinden, was da eigentlich gerade in mir passiert.

Aber um langsam zum eigentlichen Punkt zu kommen:

Mir war sehr schnell klar, dass ich für meine Zeit hier ein Tagebuch schreiben möchte. Ein öffentliches. Und das ist neu. Denn plötzlich schreibe ich nicht mehr nur für mich. Plötzlich können andere Menschen mitlesen. Die Balance zwischen zu persönlich, zu wenig spannend, zu ehrlich und zu oberflächlich ist manchmal ziemlich schwierig. Ab wann ist es zu viel? Was gehört nur mir?

Die Menschen, die mich kennen, hören wahrscheinlich ziemlich genau meinen Humor heraus. Sie wissen, welche Sätze mit einem Augenzwinkern geschrieben wurden. Und vielleicht können sie manchmal auch ein bisschen zwischen den Zeilen lesen.

Vielleicht bringen meine Zeilen jemanden zum Schmunzeln. Vielleicht regen sie jemanden zum Nachdenken an oder jemand erkennt sich darin wieder. Vielleicht sind sie einfach unterhaltsam oder, dass ihr mich einfach ein bisschen besser kennenlernt.

Und wenn nicht, war es ein Kanal für mich, um mich auszukotzen und mich mit etwas zu beschäftigen, das mir Spass macht. Auch gut.

Irgendwann, wenn dieses Amsterdam-Kapitel längst vorbei ist, kann ich hierher zurückkommen und mich daran erinnern, wie sich mein Leben damals angefühlt hat. Nicht nur daran, was ich gemacht habe. Sondern daran, was ich gedacht habe. Was mich beschäftigt hat. Worüber ich gelacht habe. Was mir Angst gemacht hat. Was mich glücklich gemacht hat.

Ich kann aus Momenten Erinnerungen schaffen, die nicht ganz verschwinden können.

Danke fürs Mitlesen. Danke fürs Mitfiebern. Fürs Mitfühlen. Fürs Nachfragen, Mitlachen und Dabeisein.

Danke, dass ihr euch immer wieder mindestens fünf Minuten Zeit nehmt, um ein kleines Stück dieses Abenteuers mit mir zu erleben.

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About Writing Diary

Dear Diary,

In my last entry, I tried to describe myself a little. I introduced myself.

So maybe it’s also a good idea to explain why I’m writing this diary in the first place? Since no one here can disagree with me, I’m just going to do it:

I feel like I’ve been writing diary since forever.

As a kid, I had a beautiful Diddl diary. I mostly used it to complain about my parents and my siblings. Sorry if you ever get the chance to read it. I love you. Seriously.

At some point, it became about boys. About friends from school. About all those incredibly important dramas that felt like the entire world back then.

(I’m currently wondering where I actually hid the keys.)

Eventually, the entries became deeper. More honest. More personal. I’ve always completely opened up to my diaries, with the perhaps slightly naive idea that no one would ever read what I wrote unless I allowed them to.

My diaries were never just about describing how my day went. They gave me the opportunity to be honest with myself. To see things written down in black and white that I might never have dared to say out loud.

For me, writing is a way of catching fleeting thoughts before they disappear again. Of putting feelings into words. Fear, uncertainty, happiness, missing someone or something, or whatever else happens to be there. Not just feeling it, but actually taking a closer look.

That can be incredibly freeing. But it can also hurt. I’ve lost count of how many times I’ve been sitting somewhere, yes, sometimes even in cafés, trying to hide my tears as discreetly as possible so the waiter doesn’t think his cappuccino is so bad that it made me cry.

I also love language. I love what a text, a description or even just a single sentence can make someone feel. How words can create images in our minds, even though all we’re looking at is black letters on a white background. Lyrics, poetry, spoken word. What an incredible way to put life into words.

But my diaries have also always been storytellers. I love writing down what I experience when I’m travelling or on holiday. What I do. What happens along the way.

I’m writing history. My history, at least.

And that’s why I make time for it wherever I am. I grab a glass of wine (okaaay yes, a bottle). My headphones. My diary. And then I find somewhere to sit. On a terrace, in a garden or in a café. And I just start writing.

By hand, obviously. I’m nowhere near as fast with a pen as I am on a computer, and sometimes my hand is practically cramping, but I love the feeling of paper and ink. Watching the pages slowly fill up. Turning to the next one. And let’s be honest: there are simply far too many beautiful diaries out there not to buy them.

So somehow, diary writing brings everything together for me: my love of language, my love of writing and my attempt to figure out what is actually going on inside my head and heart.

But to slowly get to the actual point:

I knew pretty quickly that I wanted to keep a diary during my time here.

A public one. And that’s new. Because suddenly, I’m not just writing for myself anymore. Suddenly, other people can read along. And finding the balance between too personal, not interesting enough, too honest and too superficial can be pretty difficult. When does it become too much? What should remain just mine?

The people who know me can probably hear my sense of humour pretty clearly in these words. They know which sentences were written with a wink. And maybe sometimes they can read a little between the lines too.

Maybe my words make someone smile. Maybe they make someone think, or maybe someone recognises a little bit of themselves in them. Maybe they’re simply entertaining. Or maybe they just help you get to know me a little better.

And if not, at least I got to overshare in peace and call it a hobby. Also fine.

One day I’ll be able to come back here and remember what my life actually felt like back then. Not just what I did. But what I thought. What was on my mind. What made me laugh. What scared me. What made me happy.

I can turn moments into memories that don’t completely disappear.

Thank you for reading along. Thank you for getting invested. For feeling with me. For asking questions, laughing with me and being part of it.

Thank you for taking at least five minutes every now and then to experience a little piece of this adventure with me.

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