Liebes Tagebuch
Seit August 2025 arbeite ich auf diesen Tag hin. Jetzt ist er gekommen. Und ich habe mich alles andere als bereit gefühlt. Heute war der Tag, an dem ich nach Amsterdam gezogen bin.
Ich bin jetzt zwar wirklich hier, aber die Worte „Ich wohne jetzt in Amsterdam“ fühlen sich immer noch sehr surreal an. Die letzten zwei Wochen habe ich damit verbracht, mich von meinen geliebten (und teils auch weniger geliebten) Mitmenschen zu verabschieden. Ich glaube, ich habe noch nie so viel geweint für etwas, das ich mir schon immer mal gewünscht habe.
Im Ausland zu wohnen und zu arbeiten stand seit Langem auf meiner Bucket List, und hier bin ich nun, um das „abzuhaken“. Dass ich mich dafür von den wichtigsten Menschen in meinem Leben verabschieden muss, fiel mir unglaublich schwer. Dank ihnen ist mein Leben lebenswert. Sie erfüllen es mit Lachen, Freude, Leichtigkeit und Verbundenheit. Sie zurückzulassen macht mich sehr traurig. Und gleichzeitig habe ich in dieser Abschiedsphase so wahnsinnig viel Liebe, Zuneigung, Unterstützung und Nähe erfahren, dass es mich unbeschreiblich erfüllt hat zu erkennen, wie viele wundervolle Menschen ich in meinem Leben habe.
So wurde ich heute Morgen von einem Teil meiner Familie abgeholt.
„Ich habe nur zwei Koffer, einen Rucksack und eine Tasche“, habe ich ihnen gesagt.
Mhm. Genau.
Man könnte meinen, ich sollte mich mittlerweile besser kennen. Es waren dann noch zwei Rucksäcke und zwei Taschen mehr. Schliesslich muss ich ALLES mitnehmen, weil man in Amsterdam ja auch überhaupt nichts kaufen kann… Und so durfte ich im Familienbus Platz nehmen und Basel und die Schweiz an mir vorbeiziehen lassen. Nein, ich war definitiv nicht bereit. Ich verdrückte noch ein paar Tränen (schon wieder) aufgrund diverser herzerwärmenden Wünsche meiner Liebsten. Und ich bin ehrlich: Ich hatte einen riesigen Klumpen im Bauch. Ich fühlte mich nicht (mehr) mutig und ich konnte nicht glauben, dass es wirklich losgehen soll. Schon in der ersten Stunde hinterfragte ich mein ganzes Vorhaben.
Je länger die Fahrt aber dauerte und je näher wir den weiten Feldern, dem Grün, dem vielen Wasser sowie den Pferden und Schafen kamen, desto mehr kribbelte es im Bauch.
Und dann kamen wir an.
Im Südosten von Amsterdam befindet sich mein neues Zuhause. Die Übergabe der Wohnung hat bestens geklappt. Es könnte etwas sauberer sein, aber ich will mich nicht beklagen. Mein Apartment ist ausgestattet mit einem Esstisch, vier Stühlen, einer Garderobe und einem Kleiderschrank. Den Rest muss ich mir noch besorgen. Dank einer missglückten IKEA-Organisation muss ich heute Nacht auf mein Bett und mein Sofa verzichten. Danke, IKEA. Wirklich. Hoffen wir mal auf morgen. Bitte, IKEA. Wirklich.
Meine Familie hat sich dann ins Hotel verabschiedet. Und da war ich. Alleine in einer (fast) leeren Wohnung. DANKE, IKEA. WIRKLICH. Einsamkeit, Unsicherheit und Angst überkamen mich. Ich setzte mich einen Moment hin und merkte, wie mich ein komisches und unwohles Gefühl überkam.
Was tue ich hier eigentlich?
Da ich noch einkaufen musste, war ich gezwungen, die Gegend etwas zu erkunden. „Ah, die ist neu hier.“ So fühlten sich die Blicke der Menschen an, die mir entgegenkamen. Ich lief durch die Strassen und spielte meine „Keep on“-Playlist auf den Ohren. Lieder, die mich zum Weitermachen antreiben. Ich spazierte durch die Gassen, beobachtete die Menschen, nahm Cafés wahr, Restaurants, Einkaufsläden und meine geliebten Backsteinhäuser. Alles ist fremd. Und fühlt sich kalt an. Und trotzdem war da Neugier in mir. Entdeckungsfreude. Und das Verlangen, dass sich alles schnell vertraut anfühlen soll. Ich kaufte im Jumbo ein paar lebensnotwendige Dinge ein. Essen, für das ich kein Geschirr benötige. Und Klopapier. Ich entdeckte einen Blumenladen und machte einen auf Miley Cyrus und „bought myself flowers“.
Nun sitze ich mit Tulpen, Brot und Aufstrich ZU HAUSE und versuche zu verarbeiten, was ich wahrscheinlich unfähig bin, in den nächsten Stunden zu verarbeiten.
Ich bin dankbar, wehmütig, emotional und vorfreudig.
Ich bin in Amsterdam.
