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  • 08.03.2026 – random sunday spring poetry

    Liebes Tagebuch

    Ich sitze im Park direkt um die Ecke. Vor der Sonne ziehen ein paar dünne Schleierwolken vorbei, aber die Wärme ist spürbar und das gelbe Licht sichtbar.

    Ich höre Musik von Olivia Dean und Olivia B. Moore. Sie vervollständigt die harmonische Frühlingsstimmung, die in der Luft liegt, lässt alles ein bisschen langsamer wirken und verleiht ihr Ruhe und Intimität.

    Die Menschen um mich herum versprühen irgendwie Fröhlichkeit und Liebe. Ich kann nicht sagen, wo Freundschaft vorhanden ist und wo mehr als das. Jung und alt sitzen da, alleine, zu zweit oder in Gruppen. Auf Decken, lesend, Musik hörend, meditierend, studierend. Traurig, glücklich, laut und leise. Die typisch niederländischen Fahrräder, die überall in Gebrauch sind, verleihen dem ganzen Bild etwas Sympathisches.

    Eine Frau erzählt ihrem Gegenüber anscheinend eine aufwühlende Geschichte. Die Zuhörerin weicht mit ihrem Blick nicht ab, sie ist aufmerksam und nickt zustimmend bei dem, was sie hört. Dann umarmt sie die Frau, die erzählt, weil dieser Tränen übers Gesicht fliessen. Doch immer wieder huscht auch ein Lächeln über beider Gesichter. Es scheint eine schöne Verbindung zu sein.

    Ein junger Mann und eine Frau liegen nahe am See. Plötzlich sitzen beide auf und schauen lächelnd in die gleiche Richtung, zu einem erhöhten Pavillon in der Mitte des Parks. Dort hat ein älteres Pärchen mit einer bewundernswerten Leichtigkeit zu tanzen begonnen. Auch ich beginne zu lächeln, als ich das sehe. Und ebenso die Menschen um mich herum, die sich ein Grinsen nicht verkneifen können, als sie das süsse Schauspiel erblicken.

    Auf der Wiese blühen einige Frühlingsblumen in Gelb, Violett und Weiss. Ich würde behaupten, auch die Vögel singen heute ein bisschen lauter und sogar die Hunde scheinen beim Rennen Freude auszustrahlen.

    Ich frage mich, was die Menschen für eine Geschichte mit sich bringen. Wer sie sind, wo sie im Leben stehen, woher sie kommen, wohin sie gehen.

    Ich warte noch einen Moment, bis die Sonne ihre Kraft verliert. Lasse meine Gedanken noch ein bisschen spielen und beobachte das Leben um mich herum. Bis ich nach Hause gehe, in meine neue Wohnung, und meine eigene Geschichte weiterspielen und schreiben lasse.

    Ein Frühlingsmärchen.

  • 07.03.2026 – first week check

    Liebes Tagebuch

    Die erste Arbeitswoche ist vorbei. Samstagmorgen. Die Tulpen sind mittlerweile tot. Das Kerzchen brennt. Zeit, ein Resümee zu ziehen.

    Ich:

    Es geht mir nach wie vor sehr gut und ich fühle mich wohl. Ich habe noch immer nicht ganz realisiert, dass ich in Amsterdam wohne. AMSTERDAM! Wenn ich einen tollen Ort entdecke, freue ich mich und denke: Ich kann da jetzt einfach immer hingehen, wenn ich möchte.

    Das ist ein ziemlich schönes Gefühl.

    Die Velofahrer habe ich auch langsam im Griff. Das Risiko, von einem Amsterdamer Fahrrad überfahren zu werden, sinkt also kontinuierlich. Ich laufe auch schon mit einer gewissen lokalen Selbstverständlichkeit durch die Strassen. Schliesslich wohne ich jetzt hier. Die Touristen erkennt man sofort.

    Die Wohnung:

    Meine Wohnung ist immer noch nicht vollständig eingerichtet. Es fehlt noch das eine oder andere, aber ich komme jedes Mal gerne nach Hause.

    Mit dem Gasherd und der Waschmaschine habe ich noch so meine Mühe. Aber keine Sorge – diesen Kampf gewinne ich.

    IKEA hat geliefert. Das war dann aber auch schon alles. Den Rest durfte ich selbst erledigen. Bett und Sofa alleine aufbauen. Und das war hart. Mental gesehen. Ich habe geflucht. Viel. Sehr viel. Aber ich habe es geschafft und bin deswegen auch ein bisschen stolz auf mich.

    Btw.: Ich darf jetzt ungefähr 5’965 Tonnen Karton entsorgen. Die Öffnung der Untergrundtonnen zur Entsorgung ist im Vergleich zu meinen Kartongrössen gefühlt etwa zwei Zentimeter breit. Es würde mich nicht wundern, wenn halb Amsterdam gerade meine Möbelverpackungen recycelt.

    Das Quartier:

    Die Umgebung liebe ich nach wie vor. Ich beginne mich langsam auszukennen. Wenn ich ein Ziel habe, weiss ich immer öfter, wo ich lang muss und Google Maps darf seine Dienste immer weniger anbieten. Das fühlt sich gut an.

    Die Arbeit:

    Ich habe ungefähr 32 Menschen kennengelernt und kann mich noch an etwa 12 Namen erinnern. Aber alle 32 sind mir mit einem Lächeln begegnet. Auch nach der ersten Woche muss ich unterstreichen, dass ich wohl einen Volltreffer gelandet habe.

    Die Anfangszeit als Anfängerin mag ich aber nicht besonders. Ich kann es kaum erwarten, Verantwortung zu übernehmen, mich richtig einzubringen, Inputs zu liefern und zu zeigen, was ich kann. Ich freue mich darauf, gemeinsam mit den Teams Erfolge zu erzielen, die Menschen besser kennenzulernen und auch hinter Fassaden sowie über den Tellerrand zu blicken.

    Der Sport:

    Wie ich meinen körperlichen Ausgleich und meinen Drang nach Sport stille, weiss ich noch nicht genau. Es gibt hier diverse Gyms und auch Angebote wie einen Einheitspass, der für mehrere Center gilt. Da muss ich noch die beste Option herausfinden.

    Aber ich sehne mich nach meiner Routine und nach dem Gefühl, fit zu sein. Auch der Hyrox- und CrossFit-Schweiss muss bald wieder fliessen.

    Der Ausblick:

    Ich bin neugierig, motiviert und vorfreudig. Ich laufe durch die Strassen und Gassen und sauge alles auf – was ich sehe, was in mir vorgeht und was es in mir auslöst.

    Ich kann es kaum erwarten zu sehen, was alles noch kommt. Was ich entdecken werde. Was ich erleben darf.

    Gleichzeitig bin ich aber auch ein bisschen vorsichtig. Im Moment habe ich viel zu tun. Ich richte mich ein, kaufe ein, baue auf und entsorge Karton. Da bleibt wenig Zeit, wirklich über meine Situation nachzudenken. Darum bin ich gespannt, wie ich mich fühlen werde, wenn ich einmal richtig angekommen bin und plötzlich nur noch Zeit für mich habe.

    Aber jetzt gehe ich zuerst mal in mein Stammkaffee, um die Ecke. (Ja, ich nenne es schon so, auch wenn ich erst einmal dort war).

    PS: “Wie geil isch bitte mini neui Fujifilm-Kamera?!”

  • 02.03.2026 – der erste Arbeitstag

    Liebes Tagebuch

    Heute war mein erster offizieller Arbeitstag bei meinem neuen Arbeitgeber in Amsterdam.

    Ich war sehr nervös. Obwohl ich mein Team bereits vor Ort kennen (und lieben) lernen durfte, war ich total aufgeregt und hibbelig. Mein Kopf wusste, dass alles gut ist. Mein Puls war sich da noch nicht ganz sicher.

    Treffpunkt war um 09.15 Uhr. Nullneunfünfzehn. Für manche normal. Für mich biologisch gesehen Mittag. Ich versuche noch herauszufinden, ob ich mich anpasse oder ob Amsterdam sich an meine 05.30-Uhr-Energie gewöhnen muss. Wir lassen das noch offen.

    Schon als ich am Eingang abgeholt wurde, wusste ich: Das hier. Das war die richtige Entscheidung. Ich wurde umarmt. Alle freuten sich, mich zu sehen. Herzlich. Echt. Und jede Person, die ich getroffen habe, schwärmte von der Firma.

    Auf jeden Fall gab es zuerst einmal einen Kennenlern- und Ankomm-Kaffee. Liebe ich. Danach Informationen über die Firma, die IT und von Office Operations bezüglich aller administrativen Tasks wie Urlaub, Krankheit, Präsenzzeiten, etc.

    Die Räumlichkeiten verleihen totalen Start-up-Vibe: Open Space, offene Küche, Lounges, Sofas, Glasfronten. Viel Licht. Viel Luft. Viel „setz dich irgendwo hin und arbeite, wo du willst“. LIEBE ICH.

    Und jetzt kurz eine Botschaft in die Schweiz:
    Es gibt Müesli, Haferflocken, Trockenfrüchte, Obst, Nüsse, Schokolade, Chips, Riegel, alles für Toasties, Joghurt, Skyr, Kaffee, Süssgetränke und diverse andere Verführungen. Umsonst. Kostenlos. Gratis. Ich wiederhole: gratis.

    Ich habe kurz überlegt, ob ich hier arbeite oder in einem sehr gut getarnten All-inclusive-Resort gelandet bin.

    Über den Arbeitsweg (sofern es keine Verspätungen gibt), darf ich mich auch nicht beklagen: Eine Station mit dem Zug oder vier Stationen mit der Metro bis Amsterdam Centraal. Je 5 bis 7 Minuten. Davor und danach 5–10 Minuten Fussweg. Mit dem Fahrrad wären es etwa 15 Minuten. Das mache ich, sobald ich eines gekauft habe und offiziell zur niederländischen Bevölkerung gehöre.

    Ich bin mit einem Lächeln nach Hause gegangen.
    Nicht dem höflichen Lächeln.
    Dem echten.

    Es fühlt sich gut an.
    Es fühlt sich richtig an.

    Morgen habe ich mich vor der Arbeit im Gym angemeldet.
    Erstens, weil ich nicht schon wieder bis 09.15 Uhr ausschlafen kann.
    Zweitens, weil die Snack-Abteilung ernstzunehmende Ambitionen hat.

    Gute Nacht.

    PS: IKEA, bitte bringe morgen wie verabredet NACH 16.00 Uhr mein Bett und mein Sofa. Ich bin bereit für eine erwachsene Schlafsituation.

    Das breitere Gebäude in der Mitte isses.

  • 28.02.2026 – über Ausländer und Packesel

    Liebes Tagebuch

    Ich möchte zu Beginn eine Botschaft nach Hause senden: Mein Bett und Sofa kommen am Dienstag. Für alle, die sich Sorgen gemacht haben: Ich muss nicht am Boden schlafen. Also doch, aber ich habe noch eine Matratze dazwischen. Gut, wenn man Freunde am Ort hat, wohin man zieht.

    Dann kurz zu gestern, da stand viel Administration auf dem Plan. Auf der Gemeindestelle besorgte ich mir meine Social Security Number (BSN-Nummer). Innerhalb von 10 Minuten war ich offiziell in Amsterdam registriert. Kein Wunder ist diese Stadt voller Expats und Auslandsstudenten. Als mir die freundliche Gemeindestellenmitarbeiterin die Dokumente in die Hand drückte und mich verabschiedete, hielt ich kurz inne – bis ich merkte, dass mich das gar nichts kostete. Mein Schweizer Herz war verblüfft.

    Dann passierten unspektakuläre Dinge wie das Eröffnen eines Bankkontos und das Abschliessen einer Krankenversicherung. Ausländerkram halt. Beides war ebenfalls innert je drei Minuten erledigt. Mega gut.

    Zum heutigen Tag möchte ich gerne Folgendes loswerden:
    Ich war bei IKEA shoppen. Der verdammte schwedische Möbelladen hat eine Umsatzsteigerung durch mich grundsätzlich gar nicht mehr verdient. Aber ja. Was will man machen. Ich packte alles in den Einkaufswagen, was ich für zwingend notwendig erachtete. Zum Beispiel einen Bluetooth-Speaker (hihi). Der Wagen füllte sich „plötzlich“ und hemmungslos habe ich Geschirr, Pfannen, Klobürsten, Klopapierhalterungen, Garderobenschränke, Schuhregale und Co. eingepackt. Ob ich wusste, dass ich das alles nach Hause tragen muss? Ja. Ob ich wusste, dass die Metro ausfällt und ich zusätzlich noch einen Fussmarsch absolvieren muss? Nein.

    Bei LIDL passierte anschliessend dasselbe. Ich legte mir einen soliden Vorrat an Putz- und Grundnahrungsmitteln zu. Konserven. Mais. Kichererbsen. Dinge, die auch dann noch überleben, wenn ich es nicht tue. Alles wurde bei Regen und Wind heldenhaft nach Hause getragen.

    Jetzt kann ich zu Hause sorglos aufs Klo gehen und mit Teller und Besteck Mais aus der Dose essen.

    Auf Kochen habe ich aber keine Lust mehr. Mache ich dann morgen.

    Memo an mich: Schrauben ohne Schraubenschlüssel und Kerzen ohne Feuerzeug sind unpraktisch.

  • 26.02.2026 – It begins

    Liebes Tagebuch

    Seit August 2025 arbeite ich auf diesen Tag hin. Jetzt ist er gekommen. Und ich habe mich alles andere als bereit gefühlt. Heute war der Tag, an dem ich nach Amsterdam gezogen bin.

    Ich bin jetzt zwar wirklich hier, aber die Worte „Ich wohne jetzt in Amsterdam“ fühlen sich immer noch sehr surreal an. Die letzten zwei Wochen habe ich damit verbracht, mich von meinen geliebten (und teils auch weniger geliebten) Mitmenschen zu verabschieden. Ich glaube, ich habe noch nie so viel geweint für etwas, das ich mir schon immer mal gewünscht habe.

    Im Ausland zu wohnen und zu arbeiten stand seit Langem auf meiner Bucket List, und hier bin ich nun, um das „abzuhaken“. Dass ich mich dafür von den wichtigsten Menschen in meinem Leben verabschieden muss, fiel mir unglaublich schwer. Dank ihnen ist mein Leben lebenswert. Sie erfüllen es mit Lachen, Freude, Leichtigkeit und Verbundenheit. Sie zurückzulassen macht mich sehr traurig. Und gleichzeitig habe ich in dieser Abschiedsphase so wahnsinnig viel Liebe, Zuneigung, Unterstützung und Nähe erfahren, dass es mich unbeschreiblich erfüllt hat zu erkennen, wie viele wundervolle Menschen ich in meinem Leben habe.

    So wurde ich heute Morgen von einem Teil meiner Familie abgeholt.
    „Ich habe nur zwei Koffer, einen Rucksack und eine Tasche“, habe ich ihnen gesagt.

    Mhm. Genau.

    Man könnte meinen, ich sollte mich mittlerweile besser kennen. Es waren dann noch zwei Rucksäcke und zwei Taschen mehr. Schliesslich muss ich ALLES mitnehmen, weil man in Amsterdam ja auch überhaupt nichts kaufen kann… Und so durfte ich im Familienbus Platz nehmen und Basel und die Schweiz an mir vorbeiziehen lassen. Nein, ich war definitiv nicht bereit. Ich verdrückte noch ein paar Tränen (schon wieder) aufgrund diverser herzerwärmenden Wünsche meiner Liebsten. Und ich bin ehrlich: Ich hatte einen riesigen Klumpen im Bauch. Ich fühlte mich nicht (mehr) mutig und ich konnte nicht glauben, dass es wirklich losgehen soll. Schon in der ersten Stunde hinterfragte ich mein ganzes Vorhaben.

    Je länger die Fahrt aber dauerte und je näher wir den weiten Feldern, dem Grün, dem vielen Wasser sowie den Pferden und Schafen kamen, desto mehr kribbelte es im Bauch.

    Und dann kamen wir an.

    Im Südosten von Amsterdam befindet sich mein neues Zuhause. Die Übergabe der Wohnung hat bestens geklappt. Es könnte etwas sauberer sein, aber ich will mich nicht beklagen. Mein Apartment ist ausgestattet mit einem Esstisch, vier Stühlen, einer Garderobe und einem Kleiderschrank. Den Rest muss ich mir noch besorgen. Dank einer missglückten IKEA-Organisation muss ich heute Nacht auf mein Bett und mein Sofa verzichten. Danke, IKEA. Wirklich. Hoffen wir mal auf morgen. Bitte, IKEA. Wirklich.

    Meine Familie hat sich dann ins Hotel verabschiedet. Und da war ich. Alleine in einer (fast) leeren Wohnung. DANKE, IKEA. WIRKLICH. Einsamkeit, Unsicherheit und Angst überkamen mich. Ich setzte mich einen Moment hin und merkte, wie mich ein komisches und unwohles Gefühl überkam.

    Was tue ich hier eigentlich?

    Da ich noch einkaufen musste, war ich gezwungen, die Gegend etwas zu erkunden. „Ah, die ist neu hier.“ So fühlten sich die Blicke der Menschen an, die mir entgegenkamen. Ich lief durch die Strassen und spielte meine „Keep on“-Playlist auf den Ohren. Lieder, die mich zum Weitermachen antreiben. Ich spazierte durch die Gassen, beobachtete die Menschen, nahm Cafés wahr, Restaurants, Einkaufsläden und meine geliebten Backsteinhäuser. Alles ist fremd. Und fühlt sich kalt an. Und trotzdem war da Neugier in mir. Entdeckungsfreude. Und das Verlangen, dass sich alles schnell vertraut anfühlen soll. Ich kaufte im Jumbo ein paar lebensnotwendige Dinge ein. Essen, für das ich kein Geschirr benötige. Und Klopapier. Ich entdeckte einen Blumenladen und machte einen auf Miley Cyrus und „bought myself flowers“.

    Nun sitze ich mit Tulpen, Brot und Aufstrich ZU HAUSE und versuche zu verarbeiten, was ich wahrscheinlich unfähig bin, in den nächsten Stunden zu verarbeiten.

    Ich bin dankbar, wehmütig, emotional und vorfreudig.

    Ich bin in Amsterdam.